Campari, Cafetier

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Campari
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Beruf: Cafetier
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Campari, Cafetier

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Campari

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Hintergrund

Campari ist der Nachfahre eines palatinischen Suppenpapagei-Geschlechts, das sich in direkter Linie von einem reinrassig-linguinischen Suppenpapagei aus Auriana ableitet, der sich Anfang der 1560er Jahre in Palatina niederließ. Bacardi, der Stammherr der palatinischen Seitenlinie, führte auch einen Familiennamen für seine Dynastie ein: Squark. Auf dem Wappen, das er bei Erwerb des Bürgerrechts persönlich gestalten ließ, latinisierte er den Familiennamen (Sqark) und untermauerte damit einen Anspruch, der sich aus den Anfangsbuchstaben ableiten soll. Für Außenstehende bleibt das Motto bis heute ein Rätsel. Illuminaten- und Freimaurerexperten glauben dahinter die Abkürzung „Suppenpapageien quälen alle respektlosen Konformisten“ zu erkennen.

Während die männliche Stammlinie auf so bedeutende Persönlichkeiten wie den Zucker- und Tabakbaron Bacardi Squark, den Sklavenhändler Cidre Squark oder den legendären Kaffeebohnenräuber Lepanto Squark zurückschauen kann, ist die weibliche Linie völlig unbekannt. Camparis kleiner, fast zierlicher Körperbau und seine gelb-grüne Befiederung haben Spekulationen befeuert, dass seine Mutter gar kein Papagei, sondern ein Wellensittich war. Das Thema wird so gut wie möglich vermieden.

Campari erblickte am 28. Juni 1712 in Palatina das Licht der Welt. Er war das drittälteste von mehreren Geschwistern. Sein Vater war Nonino Squark, der das frisch gegründete Kaffeehaus in zweiter Generation von seinem Vater Lepanto übernommen hatte. Die Familie gehörte seit jeher dem gehobenen Bürgertum an, hatte es jedoch in zwei Jahrhunderten immer wieder verpasst, in den Patrizierstand aufzusteigen – meistens, weil die Squarks kurz vor der Vollendung ihres Plans zur Erringung der Weltherrschaft scheiterten und den Großteils ihres dubios erworbenen Vermögens wieder verloren.

Nonino Squark galt in diese Hinsicht als „aus der Art geschlagen“, weil er niemals Pläne zur Unterwerfung der Menschheit entwarf und auch nicht eines Todes voller Gram starb, weil sein hochtrabenes Projekt zur Machtergreifung des Papageiengeschlechts misslungen war; stattdessen starb er eines glücklichen, sorgenfreien Todes, als er 1768 von einem umfallenden Küchenschrankes voll exquisiten Porzellans zermalmt wurde.

Campari stand damals mit 56 Jahren in der vollen Blüte seines Lebens und hatte soeben erst das 59. Semester seines langangelegten Studiums der Universalwissenschaften beendet. Schon mit jungen Jahren hatte er im Kaffeehaus ausgeholfen, hatte auch mehrere Reisen in die Zucker- und Kaffeegebiete Aurianas zu seiner entfernten Verwandtschaft unternommen, Handelsbeziehungen gepflegt und alles Wissen erlangt, was die perfekte Aufzucht und Pflege von Kaffeebohnen sowie deren Umwandlung in ein nahezu magisches Erlebnis anbelangt. Trotz aller Umtriebe blieb Campari Palatina immer verbunden und half bei der Führung des Kaffeehauses, so er gebraucht wurde.

Doch Camparis große Leidenschaft galt jeher der Aufklärung. Auf seinen verschiedenen Studienreisen nach Frankreich eignete er sich nicht nur neues Wissen und verbotene Schriften an, sondern schloss auch Freundschaft mit bekannten Philosophen. Er soll – so wird behauptet – Rousseaus Schriften gegengelesen haben und hat unter Pseudonym angeblich mehrere Artikel der Enzyklopädie von Diderot mitverfasst . In Paris trat er zu Studienzeiten den Freimaurern bei und sollte später, bei der Wiederzulassung der palatinischen Freimaurerei, entscheidenden Anteil bei deren Neugründung und Neuausrichtung haben (die erste palatinische Freimauererloge hatte sich an London orientiert, Campari sorgte dafür, dass sie die radikale französische Richtung einschlug).

Als anerkannte Geistesgröße europäischer Aufklärer hätte Campari sicherlich eine gute Position als Hofpapagei Friedrichs II. von Preußen offen gestanden, nachdem sich dieser mit Voltaire eher entzweit hatte; aber Camparis Ansichten waren bereits damals schon so radikal geworden, dass selbst Voltaire die Nase gerümpft hätte. 1776 zeigte sich das sehr offenkundig, als Campari freiwillig aufseiten der amerikanischen Kolonisten am Unabhängigkeitskrieg gegen die britische Krone teilnahm, um dort die Ideale der Freiheit zu verteidigen. Auch danach blieb Campari noch einige Jahre in den USA, bis der Tod seines Bruders Montenegro ihn dazu verpflichtete, nach Palatina zurückzukehren und nun das Kaffeehaus ganz zu übernehmen.

Campari hat das Kaffeehaus seitdem zur Schaltzentrale aufklärerischer – und seit 1789: revolutionärer – Umtriebe umgestaltet. Er unterhält beste Kontakte zu alten Verbündeten in Paris und Richmond und hat diese mit der lokalen, liberalen Presse verdrahtet. Wie eine Spinne im Netz sitzt Campari und koordiniert als „Meister vom Stuhl“ der Loge Palatinas das Vorgehen gegen das alte Regime in Palatina wie Europa. Es gibt so gut wie keinen liberalen Draht, der am Ende nicht zum Cafetier von San Paolo führt.

Aussehen

Campari ist ein palatinischer Suppenpapagei, eine Unterart des (amerikanischen) linguinischen Suppenpapageis, die sich aus Mischformen mit lokalen (italienischen) Vogelpopulationen ergeben hat. Dabei ist er für einen Suppenpapagei sehr klein geraten. Wird ein üblicher Suppenpapagei bis zu 80 Zentimeter groß, so sind es bei Campari eher 40. Das hat immer wieder zu Spekulationen geführt, die dem Vogel mehr als unangenehm sind. Viele behaupten, dass ein Großteil seiner Ambition aus Kompensation herrührt.

Sein Federkleid ist grün-gelb, und hat sich trotz seines Alters hervorragend gehalten. Einzig auf dem Köpfchen sind ein paar Federn ausgefallen, die er mit einer weißgepuderten Perücke allerdings so verdeckt, dass sie keiner je gesehen hat. Seltener trägt er eine Weste mit einer palatinischen Kokarde. Seit dem Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg fehlt ihm eine Schwanzfeder, sodass sein Schwanz wie in zwei Fächer geteilt wirkt. Zu Sitzungen der Freimaurerloge legt er seine Schürze an.

Charakter

Im Kaffeehaus gilt Campari als umgänglich, freundlich, gewitzt und sehr ehrlich. Seine Redegewandtheit und Intellektualität hat zu einem großen Renommee in der aufgeklärten Gesellschaft Palatinas geführt. Im Gegensatz zu vielen seiner Vorfahren gibt sich Campari charmant, interessiert und aufmerksam, ja sogar höflich.

Doch der Papagei hat zwei Gesichter. Schlagartig kann sich das wandeln, wenn man ihn näher kennenlernt. Dann kann Campari rücksichtlos, grob und feurig, bisweilen unbeherrscht sein. Viele lernen diesen Zug nur in geheimen Treffen kennen. Jahrzehntelang hat Campari seine Redefähigkeiten geprobt, um das verhasste SQUARK nicht wie seine Vorfahren herauszupressen. Es gilt ihm als Graus, unschicklich, unfein, tierisch, unvernünftig – all das, was der aufgeklärte Mensch eigentlich von sich weist. Nur in solchen zornigen Momenten, oder wenn der Vogel überhaupt die Kontrolle über sich selbst verliert und die Fassade bröckelt, rutscht ihm das alte Übel aus dem Schnabel. Unter Pseudonym schreibt er Kommentare im Libero, die als besonders hetzerisch gelten, so wird ihm angelastet; bewiesen werden konnten das freilich nie.

Im Laufe der Jahrzehnte hat der Vogel sehr genau gelernt, was er sagen darf, und was nicht. Er gilt als überaus klug, analytisch begabt und hat manche Planungsfertigkeit, die den idealistisch-naiven Liberalen in vielen Fällen fehlt. Es gibt Gründe, warum ausgerechnet er als Anführer gilt. Dazu kommt jahrzehntelange Erfahrung, nicht nur in den Salons oder Höfen, sondern auch auf dem Schlachtfeld von Guilford Court House, wo Campari eine Schwanzfeder verlor. Die Engländer hasst er seitdem wie die Pest.

Sein ganzes Streben liegt auf der Durchsetzung der liberalen und revolutionären Ideale, deren Umsetzung sein ganzes Leben einnimmt. Angesichts der Zuspitzung des revolutionären Theaters in Europa wittert er Morgenluft, was die Umsetzung von Menschenrechten (und Vogelrechten?) angeht. Er ist dabei auch dafür bekannt, mit den radikalsten Elementen der Revolution zusammenzuarbeiten, wenn es dem Zweck dient.

Andere behaupten, dass Campari das einzige Lebewesen ist, dass wirklich und ganz die zerstörerische Kraft von Aufklärung, Liberalismus, Säkularisierung, Fortschrittsglaube und aller damit zusammenhängenden Auswüchse begriffen hat – besser, als es jeder Reaktionär könnte! – und einen 200-Jahres-Plan entwickelt hat, um die Menschheit damit langfristig und endgültig zu vernichten, um endlich, endlich den lang gehegten Traum von der Weltherrschaft der Suppenpapageie durchsetzen zu können.
Die Verteidiger der Freiheit werden immer nur Geächtete sein, solange eine Horde von Schurken regiert! - Maximilien de Robbespierre

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