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Jacques Bottier, Schuhmacher

Verfasst: Freitag 3. Juli 2026, 11:42
von Jacques Bottier
Jacques Bottier

Jacques stammt ursprünglich aus einem kleinen französischen Dorf nahe Valmy.
Alles an dem Mann mittleren Alters scheint durchschnittlich zu sein. Seine durchschnittlich schlanke Statur ist mittlerer Größe, und das meist durchschnittlich freundliche Gesicht, mit einer so durchschnittlich ebenmäßigen Nase, dass sie schon beinahe überdurchschnittlich durchschnittlich wirkt, wird umschlossen von einer durchschnittlichen weißen Perücke. Wenn man Jacques auf der Straße begegnet, schreitet er meist mit durchschnittlich sicherem Gang, und hat es durchschnittlich eilig. Nur selten bringt ihn wirklich etwas aus der Ruh, auch wenn er bisweilen ein wenig nervös oder vorsichtig sein kann. Jacques denkt viel, und wer sich viele Gedanken macht, weiß nicht immer, wie er eine Situation letztlich beurteilen soll. Vielleicht könnte man sagen, dass Jacques mehr als durchschnittlich viel denkt, aber wer weiß schon genau, wie viel andere durchschnittliche Menschen durchschnittlich denken? Er hatte sich diese Frage schon oft selbst gestellt, um zu entscheiden, ob er etwas an seinem Denken ändern müsste, war aber nie zu einem hinreichend eindeutigen Ergebnis gekommen.

Deutlich nicht durchschnittlich, ist nur Jacques ausgeprägtes Wissen über Mode, und sein Handwerk der Schuhmacherei. Überdurchschnittlich gut florierte somit auch seine Schuhmacherwerkstatt in Reims. Seine qualitativ hochwertigen und ausgefallenen Stücke am Puls der Zeit, hatten bald die Noblesse der Region - und jene, die dazugehören wollten - angezogen, ja, einige Paare hat er sogar nach Paris verkauft! Für einen durchschnittlich durchschnittlichen Mann ist Jacques überaus gut vernetzt, und wer weiß, vielleicht ist es gerade seine Durchschnittlichkeit, die es ihm erlaubt, mit seinen zahlungskräftigen Kunden nicht in eine Prestige-Konkurrenz zu treten. Denn obwohl Bottier viele Namen und Adressen kennt, wird seiner doch eher selten erwähnt. Wenn, dann geht es ganz um seine geliebten Schuhe!

Wie aus dem nichts, war ihm eines Tages ein kleines Blatt zugeflogen. Ein Kupferstich eines Platzes war darauf abgedruckt, und der Name eines Kaffeehauses, zusammen mit einer kleinen touristischen Beschreibung des Ortes. Nichts allzu ungewöhnliches, doch dem gescheiten Denker waren sofort einige Schreibfehler im Text aufgefallen. Nahm man die vorangehenden Buchstaben des Wortes, bis zum eintretenden Fehler zusammen, ergaben sich daraus zwei italienische Worte: "bellissime scarpe". Jacques war wie elektrisiert. Schuhe! Wunderschöne Schuhe! Darüber hinaus kannte er den Platz! Er hatte ihn bereits in einem Buch gesehen, dass den Stadtplan und eine Beschreibung Palatinas enthalten hatte. Er kann nicht genau sagen warum, aber der Drang in ihm, dem nachzugehen, erschien plötzlich beinahe übermenschlich - und animalisch zugleich. Noch am selben Tag nahm er seine gepackten Sachen, und machte sich auf die Reise in den italienischen Stadtstaat.