Abriss der Geschichte der Mascarpone-Tartuffo seit dem 17. Jahrhundert

In diesem Bereich stehen alle Hintergrundinformationen zu den Charakteren und Institutionen, die mit ihnen zusammenhängen. Dabei stehen die Familiengeschichten seit dem Rinascimento im Vordergrund.
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Tino Mascarpone
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Abriss der Geschichte der Mascarpone-Tartuffo seit dem 17. Jahrhundert

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Abriss der Geschichte der Mascarpone-Tartuffo seit dem 17. Jahrhundert


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Die Mascarpone-Tartuffo sind eine Seitenlinie des palatinischen Geschlechts der Mascarpone, die zu den ältesten Familien der Stadt zählen. In der mittelalterlichen Kommune Palatina galten sie als einflussreiche Dynastie, die als Händler und Kaufleute seit den 1190ern zur Elite zählten. Ihr berühmtester Vertreter ist Federico Mascarpone, der von 1217 bis 1220 Palatina im Fünften Kreuzzug anführte. Sie stellten mehrfach den Conte – das Oberhaupt der alten Kommune – und galten als besonders gottesfürchtig. Bis heute teilen alle Seitenlinien der Mascarpone den Hausheiligen, Sankt Georg, das Motto der Familie (Deus vult) und eine Abwandlung des Stammwappens – ein weißes Tatzenkreuz auf rotem Grund. Die Mascarpone behielten ihre bedeutende Stellung bis zur Machtergreifung der Malpazzi und konnten in der Zweiten Republik ihre Stellung teils zurückerobern. In dieser Epoche konnten sie immer wieder das Amt des Dogenberaters ergattern.

Als das Patriziat es durchsetzte, dass keine Dogen mehr aus den Zwölf Familien gewählt werden sollten, plagten die Mascarpone bereits seit Jahrzehnten eigene Probleme. Interne Konflikte, insbesondere in der Nachfolgeregelung, fesselten die Familienmitglieder mehr als das politische Tagesgeschäft. Den Höhepunkt erreichten diese internen Querelen nach dem Aussterben der Hauptlinie der Mascarpone im Jahr 1657. Die Nebenlinien stritten darum, wer das Anrecht hatte, die Mascarpone als Ganzes zu vertreten und anzuführen. Zugleich gab es Ansprüche anderer Familien auf mascarponische Güter, da sie die Schwestern des letzten männlichen Vertreters geheiratet hatten und ebenfalls auf ihren Anteil klagten. Eine abschließende Regelung war noch bis ins 18. Jahrhundert nicht getroffen, weswegen die Gerichte noch in der Dritten Republik (ab 1733) verhandelten.

Die Mascarpone-Tartuffo waren in diesem Zusammenhang eine jüngere Abspaltung. Ihr Begründer, Flavio Mascarpone (*1622), war ein Cousin 2. Grades des letzten Sohnes der Hauptlinie, Obertino. Er heiratete im Jahr 1648 die Baronin Taffaletta di Tartuffo da Tartuffo. Taffaletta war die Alleinerbin der Baronie Tartuffo in den Hügeln von San Matteo. Vonseiten der anderen Nobili gab es zuerst Vorbehalte, dass eine große palatinische Familie in den Landadel einheiratete und sich einen solchen Besitz sicherte, doch akzeptierte man das Zusammengehen angesichts der Zerrüttung der Mascarpone-Dynastie und deren politischen Niedergang. Eine Bedingung für die Heirat war dabei nicht nur die Übernahme des Namens, sondern auch, dass die Mascarpone Tartuffo nicht verließen. Daher bürgerte es sich ein, dass die Familie einen Teil des Jahres in den Hügeln von San Matteo verbrachte. Mit der Heirat von 1648 übernahm Flavio den Namen und nannte sich von nun an: Flavio I. di Mascarpone e Tartuffo, Barone di Tartuffo. Der Wappenschild der Mascarpone-Tartuffo kombiniert seitdem das traditionelle Tatzenkreuz auf rotem Grund mit dem schwarzgestreiften weißen Wappen der Tartuffo.

Im Gegensatz zu anderen Seitenzweigen sollten die Mascarpone-Tartuffo aufgrund ihres Standbeins in der Baronie das nachfolgende Jahrhundert besser überstehen. Überdies hatten die Nachfahren Flavios vorerst kein Interesse daran, in den Streit um Obertinos Erbe anzutreten. Sie konzentrierten sich auf die Regierung des kleinen Ortes in den unwirtlichen und abgelegenen Schluchten. Noch zu Beginn des 18. Jahrhunderts war Tartuffo an keines der öffentlichen Fährensysteme angeschlossen. Für die Mascarpone, die nicht nur zwischen Palatina und Tartuffo pendelten, sondern auch nach Porto Vecchio – traditionell verschrieben sich die Mascarpone der Marine – bedeutete das oftmals eine monatelange Abwesenheit von der Hauptstadt. Der Wandel setzte erst mit der Errichtung der TAM durch die griechischstämmigen Unternehmer Michele und Giorgio Malvasia ein, die Tartuffo per Fähre mit dem Rest der Republik verbanden.

Zusammen mit den Semifreddo galten (und gelten) die Mascarpone als jene Familie, die eine Marinetradition pflegen. Aufgrund ihrer Nähe zu Porto Vecchio sollten sich die Mascarpone-Tartuffo als jene Linie durchsetzen, die diese Tradition fortsetzte. Weniger in der Auseinandersetzung, als vielmehr durch vollendete Fakten stiegen die Mascarpone-Tartuffo damit zu den eigentlichen Nachfolgern der Hauptlinie auf, ohne groß mit den anderen Verwandten darum gerungen zu haben. Ein halbes Jahrhundert nach dem Tod Obertinos waren die anderen Seitenlinien auch so erschöpft, dass sie keine Schlacht mehr schlagen wollten. Das materielle Erbe Obertinos hatten sie dagegen in Prozessen, über Mitgiften oder in ihrer eigenen Misswirtschaft verbraucht. Die historische Entwicklung führte dazu, dass man etwa kurz vor Beginn der Dritten Republik dazu überging, die Mascarpone-Tartuffo schlicht „Mascarpone“ zu nennen – was sie allerdings im offiziellen Austausch strikt vermeiden, einerseits der Auflage von 1648 wegen, andererseits, weil sie sich mittlerweile als legitime und verantwortliche Barone von Tartuffo verstehen, für die es einer Demütigung gleichkäme, ihr eigenes Herrschaftsgebiet nicht als Titel aufzuführen.

Wegen jahrzehntelanger Abwesenheit aus der Politik fiel es der Familie deshalb auch nicht schwer, sich ganz der Seefahrt zu widmen und ihre Söhne in den Dienst der Marine zu geben, und dafür auf Ämter zu verzichten. Zwar konnten die Mascarpone zu ihrem eigenen Bedauern nichts gegen den Niedergang der einst stolzen Armada unternehmen, machte es sich aber zum Ziel, den Rest der Marine zu einem Hort der Nobilität zu machen, wo junge Marinekadetten eine gesicherte Existenz hatten. Die Mascarpone und Semifreddo schlossen einen Pakt, sich gegenseitig die höchsten Führungsränge zuzuschanzen und hielten die Marine so von Subjekten der Dritten Republik frei, was zu einem besonders reaktionären Geist innerhalb dieser Institution gesorgt hat – selbst bei Patriziern und Cittadini, die auf See dienen. Zugleich sicherten sich die jeweiligen Familien so die Zukunft ihrer Söhne sowie den Einfluss ihrer Dynastien ab. Andererseits verschlimmerte diese ideologische Prägung die Vernachlässigung der Flotte durch die Patrizierdogen, vermutete man doch eine Illoyalität der Nobili gegenüber der patrizischen Regierung.

Aufgrund ihrer Pflichten in Tartuffo und in der Marine sind die Mascarpone eine der wenigen Familien, die nicht so degeneriert sind wie viele andere einst mächtige Dynastien. Ihr Wohlstand ist zwar seit der Zweiten Republik erheblich zusammengeschrumpft, reicht aber, um den Standard der Nobilität zu wahren. Die Familie hat ihren Hauptsitz mittlerweile nach Porto Vecchio verlegt, unterhält zudem ein Schloss in Tartuffo. In Palatina haben die Mascarpone als eine der wenigen Familien den beim Erdbeben von 1743 zerstört Stammsitz nicht aufgegeben, sondern in bescheidenerer Form wiederaufgebaut. Neben den Ländereien um Tartuffo – die allerdings wenig ertragreich sind – besitzt die Familie noch einige Haine und Äcker nördlich der Hauptstadt, sowie drei Privatkapellen.

Die Mascarpone-Tartuffo haben das Ende der Dritten Republik sehr genau beobachtet, es jedoch vermieden, ihre Privilegien in der Marine aufs Spiel zu setzen, als es zur Reaktion von 1792 kam. Stattdessen verfolgt die Dynastie weiterhin den Kurs, im Hintergrund zu wirken, statt sich offen aufs Parkett zu begeben, nicht zuletzt, da sie eine Scharnierfunktion zwischen Reaktionären und Militär einnimmt und sehr genau um das fragile Gleichgewicht weiß. Nach außen hin geben sich die Mitglieder der Mascarpone daher eher uninteressiert, es gibt jedoch Hinweise, dass man durchaus die eine oder andere Schaltstelle abtastet, um nicht auf dem absteigenden Ast einer sterbenden Institution wie der Marine zu enden …

Die Linie behauptet, von der konstantinischen Dynastie abzustammen, also jener Familie, der Konstantin der Große entstammte, und die das Christentum in Rom maßgeblich förderte. Der Mythos taucht bereits seit einigen Jahrhunderten in den Annalen der Familie auf. Seit dem 17. Jahrhundert ist es daher Brauch, Abwandlungen der Namen aus dieser römischen Vorgängerfamilie zu verwenden.
Palatina erwartet, dass jeder Mann seine Pflicht tun wird. - Unbekannt

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