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Der Heilige Gotthart

Verfasst: Freitag 25. September 2020, 14:20
von Die Signoria
Die Legende vom Heiligen Gotthart von Dunkelheim und Palatina

Anmerkung: Diese Legende wurde 1633 vom Jesuitenmönch Theodosius von Hinterbergen des Klosters Sankt Godehard im Drachenzahngebirge aufgezeichnet. Der Mensch ist dafür bekannt, dass er im Laufe von ein paar Jahrzehnten oder gar Jahrhunderten dazu neigt, gewisse Begebenheiten nicht mehr ganz genau wiederzugeben.

Im Namen des barmherzigen und guten Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes, geehrt sei er jetzt und in aller Zeit, Amen.

De Gotthardis abkünftigliche Abkünftigung und dem Zeugige vor seiner Berufigunge durch den allllerheilligsten Gottige

Wir wissen nicht, wann unser Heiliger Bruder Gotthart geboren wurde, und auch nicht wo, aber unsere Quellen lassen darauf schließen, dass er wohl der Sohn eines Glasermeisters war. Den Erzählungen zufolge nämlich wurde Gotthart von den Dunkelheimer Mönchen nach einem Unfall aufgenommen und verarztet, weshalb er sich in den Dienst dieser begab. Schon damals geisterte die Geschichte unter den Bewohnern herum, der allwissende und gute Gott habe selbst dafür gesorgt, dass er wie Saulus erblindete, um sich dann zum Paulus zu wandeln und sich dem Dienst an der Sache Christi zu verschreiben. Die Wege unseres Herrn sind unbegreiflich, und gelobt sei sein Name in Ewigkeit. Auch gibt es Geschichten davon, er sei vorher verheiratet gewesen, und es gibt die profunde Erzählung von einem Sohn. Doch der gütige und gute Gotthart war bestraft von seinem Weibe, welches der Besessenheit und der Tobsucht anheim gefallen war, und ein Dämon hatte ihr Innerstes vergiftet. Andere sagen, sie sei einfach nur eine verdammt zickige Xanthippe gewesen*.

De Gotthardis frühigster Geschichtige im Klosterige der brauerigsten Brauereige zu Dunkelheim

Bruder Gotthart zeichnete sich von Anfang an durch eine soziale, beispielhaft christliche Ader aus, indem er einen Handwerksunterricht für die Dunkelheimer Kinder ermöglichte, um ihnen eine bessere Zukunft zu bieten. Oh, welch gottloser Ort war Dunkelheim zu dieser Zeit, lasterhaft und gebeutelt, ein zweites Babylon, an welches Sodom und Gomorra wegen zu guter Regeln selbst gescheitert wären! Die große Hure Dunkelheim, sie sei gestraft an den letzten Tagen! Doch wo das Dunkel ist, ist auch das Licht, und dieses ist der Herr, und der Herr war bei Gotthart. Und tatsächlich, seine Stimme hallte durch die Lande wie die eines Löwen, und sein Ruf schallte laut über den Golf von Verignon, hallte von den Gebirgen wieder, versank nicht im Todesmoore und verschwand auch nicht im Fichtenwalde, denn der Herr war mit ihm. Und das ziemlich laut. Und weil er mit der Kraft des Herrn laut und stur war, sollte es ihm gelingen, an diesem heidnischen Ort doch noch das Gesetz Christi durchzusetzen, und Gott warf täglich die Ungläubigen vor seinen Füßen nieder, gepeinigt von der Kraft seiner Worte. Und die, dies gehört haben wurden ohnmächtig und taub, und die, dies nicht gehört hatten, wurden von Suppenpapageien gepeinigt. Doch siehe da! Die Dunkelheimer Klostergesellschaft war sehr bekannt für ihr Bier, und da Gotthart das daraus gewonnene Geld nur für’s Gute und Barmherzige einsetzte, machte er sich eines Tages daran, mit seinem Karren und seinem edlen Rosse über das Gebirge zu ziehen, um im Namen der Christenheit die Hauptstadt mit Bier zu köstigen.

De Gotthardis Ankuftige und Tatigen in Aurianainen

Und seht, es kam der Tag, als der Heilige Gotthart Auriana erreichte, und er sah, dass es verbesserungswürdig war. Schon bald vermochte das von Gott gegebene Schicksal ihm die Hauptkirche der Stadt zu Eigen zu machen, und der Heilige Gotthart predigte im Namen des Herrn. Was müssen es für hervorragende und bedächtige Predigen gewesen sein, für hohe Reden und festliche Worte, die er den Aurianern mitteilte, denn schon bald richtete sich jeder Bürger danach, allein wegen seiner unnachahmlichen und hervorragenden Äußerung der Gemeinde entgegen. Wahrlich, sie folgten aus freien Herzen und ehrenhaften Stücken seinen Anweisungen, denn er wusste, wie er sie überzeugte! Bald schon mehrte der Herr seinen Ruf, zuerst in der Stadt, dann im Umland, und dann in der ganzen Republik, und jeder fragte sich, was das da für ein Mann war, welcher zu solcher Tat bereit war. Und er gab Bier an die Bedürftigen, spendete Geld im Wirtshaus, und stopfte dem Dandolo sein Maul. Und siehe, es kam ein Mann aus der Gegend, der sich der Sache Gottharts anschloss. Gar hervorragend ging er mit dem Spaten um, und er vermochte die Glocken zu läuten wie keiner sie läutete, und er war groß darin: der selige Bock.

De Gotthardis Wuhuhundär und dem Irrigem

Doch der Friede war allzeit bedroht, und auch der Satan treibt sein Unwesen. Und siehe da, es kam ein Mann aus dem Lande, wo man singt und sich die Frauen bis zum Alkoholtod schön zu saufen versucht, und das Wappen grün auf grün ist. Dieser war ein armer Irrer, wie wir heute wissen, und allein der Heilige wusste, wie er ihn wieder zur Vernunft brachte; nur mit einer beherzten Taufe im Avaris, bei der Silberbrücke, stürzte unser Patron den Besessenen hinab, auf dass er den Teufel aus ihm austrieb, und der Satan schrie sein Klagelied auf, und mit ihm die ganze höllische Schar. Gepriesen sei der Name des Herrn und mit Stärke erfüllt seine Diener.

De Gotthardis Wuhuhundär von dem Löwigen

Eines Tages geschah es, dass der heilige Gotthart und der selige Bock sich in einem Gang unter der Stadt verloren, und getrennt wurden. Wir wissen nicht, wo dieser Gang lag, und was geschehen war, aber die Geschichte kennt jedes Kind: Im Dunkel des Tunnels stellte sich ihm ein gefährlicher Löwe in den Weg. Er war mächtig und kräftig, seine Augen rot und sein Fell golden, und er war größer und grausamer als jeder andere Löwe, denn es je auf Erden gab. Aber Gotthart hatte keinen einzigen Augenblick Angst, denn der Herr war mit ihm. Und als der Löwe ihn sah, und die Kraft des guten und allmächtigen Gottes verspürte, da knickte er ein, und war voller Furcht, ließ vom Mönche ab und lief davon. Gotthart aber preiste den Herrn und fand alsbald wieder heraus.

De Gotthardis größerigstem Wuhuhundär

Und siehe, es wohnte ein Medicus in Auriana, der da wurde aufgefunden eines Morgens tot, überdeckt von widerlichen Maden. Unter großem Kummer der Stadt wurde er versargt, und dem seligen Bock gegeben, welcher in vorbildlicher Arbeit den Körper in der großen Kirche aufbahrte. Doch der gute Gotthart schritt zu dem Toten, führte zweimal den Segensspruch im Namen des Herrn aus, hauchte den Toten an und tat die Maden hinfort. Dies war die größte Tat des Heiligen Gotthart von Dunkelheim, denn daraufhin stieg der Medicus aus seinem Sarg, und war aufs Neue wieder zum Leben erweckt. Groß und unbegreiflich ist der allmächtige Gott!

De Gotthardis Wuhuhundär wie er dahs Bieirge zu Wassrige verwandelte

Das ist doch eine zu peinliche Geschichte.

De Gotthardis Ende und Tode

Unbekannt ist, in welchem Alter und wann der Heilige Gotthart von Dunkelheim verstarb, und auch, auf welche Weise; aber mit großer Sicherheit ist bekannt, dass er seinen letzten Dienst in Palatina tat, in der Kapelle von Santa Trinità, und in San Pietro seine letzte Ruhe fand.

Allgemein ist man der Meinung, er sei nach vortrefflichem Wirken und vieler guten Taten eines natürlichen und friedlichen Todes im hohen Alter verstorben, wonach ihn der Herr in die Schar seiner Heiligen holte, und in eine Linie mit dem Heiligen Corbinian stellte. Eine Erzählung aus dem Marktviertel besagt allerdings, dass er mit der Hebamme des Medicus durchgebrannt sei, während die Chroniken von Dunkelheim behaupten, er sei in einem allerchristlichen Kreuzzug gegen ein Wildschwein am Spieß und viel Bier gefallen, bis zuletzt seinem Glauben treu. Es sei gepriesen der Vater und der Sohn, und der Heilige Geist, auf jetzt und in alle Zeit, Amen.

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*Und wieder Andere, er sei nur deswegen ins Kloster gegangen.