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Die Zinnbrücke

Verfasst: Dienstag 12. Mai 2020, 17:33
von Die Signoria
Die Zinnbrücke zwischen San Pietro und der Città Nuova

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Die älteste erhaltene Brücke Palatinas stammt aus dem späten 14. Jahrhundert; ihre Pfeiler und der eigentliche Übergang haben sich bis heute nahezu im selben Zustand wie vor 400 Jahren erhalten. In all diesen Jahren hatten immer wieder Häuser und Läden, Erker und Türme die Flanken verschlossen: ein Fußgänger, der über die Zinnbrücke spazierte, konnte kaum erahnen, dass er über Wasser ging, war die Brücke doch so verbaut, dass man nichts vom Wasser erahnte. Mit dem Decretum Enrici, einer Verordnung des Herzogs Enrico II., wurden nach einem Stadtbrand alle Schmieden, Gießereien und Essen auf die Zinnbrücke verbannt, da dieser von einem unachtsamen Schmied ausgelöst worden war. Das hatte einerseits eine größere Sicherheit gegen Stadtbrände in Palatina zur Folge; andererseits bedeutet das hinsichtlich des Stadtbrandes von 1654, dass die Brücke umso mehr ein Opfer wurde und die Bebauung ins Wasser stürzte – einzig der Übergang als solcher blieb erhalten.

Nach diesem Schicksalsjahr hatte die Zinnbrücke den Großteil ihrer historischen Überbauungssubstanz verloren. Zwar richteten auch in den nächsten hundert Jahren Schmiede und Gießer ihre Betreiber auf der Brücke ein, jedoch nicht mehr in demselben Ausmaß wie in den Jahrhunderten zuvor. Zusätzlich lockerte die Stadt ihre Auflagen ab der Mitte des 18. Jahrhunderts erheblich, sodass Schmiedebetriebe zumindest in San Pietro wieder erlaubt sind. Seit den 1770ern gab es daher einen Rückbau, der die Auswüchse erfolgreich zurückgeschraubt hat. Heute sind mehrheitlich nur noch Gold- und Silberschmiede vertreten, sowie der eine oder andere Hufschmied für die höhere Schicht. Die Zinnbrücke hat damit auch ihren lauten und rauen Charakter verloren und gilt im Gegenteil als Anlaufstelle der mittleren und höheren Schicht, die das ein oder andere Kleinod erstehen will, und dafür nicht ins Fischerviertel gehen muss.

Re: Die Zinnbrücke

Verfasst: Freitag 2. Oktober 2020, 22:33
von Enrico Albizzi
Über die Zinnbrücke rattert ein Holzkarren, der offenbar etwas Großes geladen hat, das unter grau-grünen Planen gut verborgen ist. Auf ihm sitzen vier Artilleristen. Während der eine es sich auf der Rückseite des Karrens gemütlich gemacht hat und Pfeife raucht, drängen sich die anderen drei auf dem schmalen Kutschbock.

Als sie gerade die Brücke auf der Seite der Cittá Nuova verlassen, schlägt eine Kirchenglocke.


Was? Schon Zwei?
fragt einer auf dem Kutschbock.

Der Caporale maggiore zuckt mit den Schultern.
Die Zeit vergeht eben schnell, mit solchen Sonderaufträgen.

Zeit für etwas zu Essen, würd' ich ma' sagen. Wir haben heute noch nichts gegessen!
Der Artillerist auf der Rückseite das Karrens richtet sich auf, schaut über das Paket zu den anderen.
Und in der Città Nuova gibt's bestimmt was feines...

Vergiss es Luigi. Ers' liefern wir das Paket ab. Und dann müssen wir auch wieder zurück.

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Re: Die Zinnbrücke

Verfasst: Montag 12. Oktober 2020, 09:54
von Enrico Albizzi
Über die Zinnbrücke rattert ein Holzkarren, der offenbar außer einer grau-grünen Plane nichts geladen hat. Auf dem schmalen Kutschbock sitzt ein Artillerist, der verdrieslich drein schaut. Nachdenklich steuert er den Wagen Richtung Cittadella.

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