Die Kirche San Leone

Die Oberstadt auf dem Palatina ist immer noch der Sitz der Mächtigen und bedeutenden Familien. Seit dem Beginn des 18. Jahrhunderts stagniert der Stadtteil jedoch, teils gibt es verfallene und verlassene Contraden. Das Parlament hat seinen Sitz im einstigen Dogenpalast. Die reaktionären Nobili und ihr Anhang haben hier ihren Platz.
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Die Signoria
Im Namen der Republik
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Stadtteil: Città Antica
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Die Kirche San Leone

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Die Kirche San Leone, die Staatskirche der Republik

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Auf San Leone fußt Palatina. Der Heilige, der die Hunnen Attilas – der Legende nach – vor den Stadttoren Palatinas abhielt, gilt seit jeher als Patron der Città Antica, die in römischer Zeit Mustela hieß. Schon in der Spätantike, kurz nach Konstantins Edikt, wurde eine Basilika an dieser Stelle zu einer Kirche umgebaut und irgendwann im Laufe des Frühmittelalters dem Heiligen Leo geweiht. Das genau Datum ist unbekannt; doch gehörte das Gebäude zu den wenigen Häusern im Ruinenfeld der zerstörten römischen Stadt, das weiterhin eine Funktion behielt. Und als Palatina ab dem Hochmittelalter neu erstand und auch wieder diese Seite am Hang des Palatins reklamierte, wurde auch die Kirche wieder vergrößert, verschönert und in Stand gesetzt. Ab der Kommune Palatina war klar, dass man sich als besondere Schützlinge dieses Heiligen Papstes verstand, der Palatina schützen sollte wie damals gegen die Barbaren von außen. Ob in der Ersten, der Zweiten oder der Dritten Republik, ob unter einem Conte oder einem Dogen, ob von Patriziern oder Nobili regiert: die Kontinuität, dass Palatina eine „Repubblica di San Leone“ war, blieb. Einzig die Monarchie der Malpazzi blieb eine Ausnahme.

Ähnlich, wie San Leone schon in anderen Tagen stand, steht die Kirche auch heute. Die glänzenden Zeiten sind vorbei, und die Piazza Repubblica lange nicht mehr der repräsentative Platz, der er früher war. Dennoch: die Kirche von San Leone gehört weiterhin zu einem Zentrum der Republik und spielt insbesondere bei staatlichen Zeremonien eine große Rolle. Im Zuge des Erdbebens von 1743 ging sie zwei ihrer vier Türme verlustig. In einer Generalüberholung wurden die zwei Vordertürme Teil der Fassade und haben eher das Aussehen von Glockentürmchen in einer neuen Rokokokirche. Auch das Innere hat Gotik, Renaissance und Barock abgeworfen. Pastelltöne und Wand- wie Deckengemälde in goldener Einfassung dominieren den Raum. Darunter eine wunderschöne Sichelmondmadonna, welche den Satan unter den Füßen zertritt.

Der Altar ist mit einem prächtigen Werk aus Silber und Gold versehen, darauf ein großartiges Bildnis des Heiligen Leo, inspiriert von der berühmten Ikone aus Cannelloni, aber ganz dem Geschmack der Zeit entsprechend. Bei der Eröffnung des Parlamento begehen die Abgeordneten traditionell eine Messe in dieser Halle, ähnlich verhält es sich vor der Öffnung des Senato und der Dogenwahl. Staatsbegräbnisse finden hier statt – und so manche Taufe eines Nobile wird hier abgehalten, um an die lange Kontinuität zu erinnern. Sie ist die einzige große Kirche der Republik, die sich in Staatsbesitz befindet, und in diesem Sinne keine Pfarrei; dennoch hat der Papst sie mit einigen Privilegien ausgestattet, um seinen guten Willen gegenüber dieser Tradition zu zeigen. Aus Rom stammt auch eine Reliquie des Papstes, die in der Krypta aufbewahrt wird, und an die lange Verbundenheit zwischen den palatinischen Guelfen und der Kurie erinnert.
Wissen Sie, warum die europäische Gesellschaft stirbt? Sie stirbt, weil sie vergiftet worden ist. Sie stirbt, weil Gott sie geschaffen hatte um mit der katholischen Substanz ernährt zu werden und weil Kurpfuscher ihr die rationalistische Substanz als Nahrung verabreicht haben. Die einzelnen Menschen können sich noch retten, weil sie sich immer retten können. Aber die Gesellschaft ist verloren, nicht deshalb, weil ihre Rettung eine radikale Möglichkeit an sich darstellt, sondern weil die Gesellschaft meiner Überzeugung nach ganz offenbar nicht gerettet werden will. - Juan Donoso Cortés

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