Der Palazzo Foscari „La Leonessa“

Die Oberstadt auf dem Palatina ist immer noch der Sitz der Mächtigen und bedeutenden Familien. Seit dem Beginn des 18. Jahrhunderts stagniert der Stadtteil jedoch, teils gibt es verfallene und verlassene Contraden. Das Parlament hat seinen Sitz im einstigen Dogenpalast. Die reaktionären Nobili und ihr Anhang haben hier ihren Platz.
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Marco Foscari
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Der Palazzo Foscari „La Leonessa“

Beitrag von Marco Foscari »

Der Palazzo Foscari „La Leonessa“ an der Uferallee

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An der Uferalle steht in direkter Sichtweite zur Bronzebrücke, teils hinter Orangenbäumen verborgen, der Palazzo Foscari, genannt „La Leonessa“. Die Verzweigung der Foscari-Dynastie und die verschiedenen Häuser der Familie haben es zur Unterscheidung nötig gemacht, jedem Gebäude einen Spitznamen zu geben, um Verwechslungen zwischen den Familiensitzen zu vermeiden. Nach der Aufteilung des sagenhaften Vermögens unter den Kindern des Stammvaters Ottavio Foscari hatte es bereits früh Streitereien um den eigentlichen Hauptsitz gegeben, der weiter stromaufwärts am Wasser lag. Die Besetzung dieser „Ca‘ Foscari“ galt als Beweis dafür, dass man die Führung unter den verschiedenen Nachfolgern innehatte. Erst ab dem 17. Jahrhundert arrangierte man sich mit der langfristigen Aufspaltung der Familie, die immer mehr Nachkommen und damit Anspruchsträger hatte – aber immer weniger Vermögen, um sich solche Zwistigkeiten zu leisten. Einer der neuen Familiensitze war dabei dieser Palazzo, der nach den „Foscari del Leone“ ihren Namen erhielt. Die Nachkommen von Leone Foscari waren nur eine Nebenlinie, sie blieben allerdings am längsten innerhalb der Stadtmauern wohnen, indes beispielsweise die „Foscari di Sant‘ Ambrogio“ von Anfang an auf dem gleichnamigen Landgut blieben.

Mit dem Erdbeben von 1743 stürzte indes die Ca‘ Foscari in den Rio und bot als Schuttberg wiederum das Fundament für viele neue Häuser am Wasser. Seitdem gilt die „Leonessa“ als einer der repräsentativsten Sitze der Foscari-Familie, stand aber selbst für mehrere Jahrzehnte des 18. Jahrhunderts leer, und wurde erst ab den späten 1780ern renoviert; bis dahin zeigten sich auch hier immer noch die Auswirkungen des Erdbebens in Form von Rissen, Brüchen und dem eingestürzten Dach. Nach außen hin wurden die Arbeiten um 1790 abgeschlossen, das Interieur wurde dagegen erst vor einem Jahr wiederhergestellt und modernisiert. Seitdem ziehen die „Foscari del Leone“ wieder langsam vom Land nach Palatina zurück. Die Wahl Marco Foscaris zum Dogenberater hat den Umzug dabei beschleunigt, da seitdem seine dauernde Anwesenheit in der Hauptstadt gefordert ist.

Der Palazzo selbst besticht mit einer Gestaltung im Stil der späten Renaissance und schönen, großen Fenstern, sowie zwei Balkons. Auf dem Dach gibt es außerdem eine hölzerne Terrasse, von der man auf den Rio und die Neustadt sehen kann. Das Erdgeschoss war einst als Lager für eine Kaufmannsfamilie gedacht, hat jedoch größtenteils seine Funktion verloren. Der erste Stock bildet das Piano Nobile mit allen Einrichtungen des familiären und öffentlichen Lebens, ob Salons, Speisesaal, Bibliothek, Ballsaal oder Ahnengalerie. Die privaten Räumlichkeiten haben im Stockwerk darüber Platz, wobei diese in ihrer Dimension beinahe kleinen Wohnungen gleichkommen. Unter dem Dach sind zuletzt die Stuben der Bediensteten.

Die Ausstattung hält sich aufgrund der neuen Einrichtung etwas in ihrem Rokoko-Charme zurück. So ist der Aufgang vom Erdgeschoss zum Piano Nobile zwar reichhaltig mit Marmor, Granit, und blattgoldumfassten Fresken geschmückt, doch wirkt das Geschoss darüber eher am Stil der Renaissance orientiert. Ob diese gefühlte Schlichtheit mit dem Vorausahnen des 19. Jahrhunderts, oder doch eher mit einer reaktionären Sehnsucht nach dem 16. Jahrhundert zu tun hat, bleibt rätselhaft; andere sagen, dass die Foscari del Leone schlicht nicht mehr die Finanzmittel wie vorherige Generationen aufbringen können, und sich in der Gestaltung des Hauses in Verzicht üben mussten. Verzicht – aus der Sicht eines Nobile, natürlich.

Orientierung

Erdgeschoss: Lager, Sekretariat, Küche

1. Etage: „Piano Nobile“, Repräsentations-, Empfangs- und Wohnbereich

2. Etage: „Piano Secondo“, Wohn- und Schlafbereich

3. Etage: Räume der Bediensteten

4. Etage: Terrasse auf dem Dach

__________________________________________

NPC:

Gianmaria Lattepizzicato (blau/#0000FF): Das foscar’sche Faktotum. Treuer Diener seines Herrn, als Kutscher, Gondoliere, Sekretär und Spion im Einsatz.
In dem Moment, da sich der Staat von seinen kulturellen Fesseln löst – der Kirche, zivilen Institutionen, Sitten und Bräuchen – wendet sich nicht nur der Bauer gegen den Adligen, sondern auch der Arme gegen den Reichen; aus Gleichheit vor dem Recht pervertiert die Vorstellung sozialer Gleichheit. Zuletzt wendete sich gar der Idiot gegen das Genie, weil dieser das Verbrechen begangen hat, anders zu sein als er selbst. - Vittorio Barzoni

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Marco Foscari
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Re: Palazzo Foscari „La Leonessa“

Beitrag von Marco Foscari »

Kutschenräder quietschen vor dem Palazzo. Pferde schnaufen. Münzen klimpern, schimmern durch die Nacht. Ein Peitschenschlag, ein "Hüa!", eine Wende.

Die wuchtigen Doppeltüren des Palazzo schlagen hinter Foscari zusammen. Der Ton verirrt sich in dem weiten, hohlen Gebäude. Schallt von nichts als den Wänden, Schutt, zerfetzten Tapeten wider. Mondlicht bricht durch ein offenes Fenster. Ein Geschwärzter Spiegel mit dreckigen Flecken reflektiert es. Der Nobile legt den Stock zur Seite, stülpt seinen Übermantel über einen Garderobenständer, richtet den Kragen.

Seine Schuhe waten durch Staub. Wirbeln graues Pulver auf. Seine Silhouette streift durch Licht, Schatten, Licht, wieder Schatten. Sein interessierter Blick wandert zum Kronleuchter, auf dem nur abgebrannte Kerzen einer längst vergangenen Zeit warten. Der Marmorboden unter ihm ist matt. In den Tapeten klaffen Löcher.

Er schlendert an vergessenen Portraits vorbei. Verschränkt die Arme hinter dem Rücken. Sein Blick geht geradeaus, seine Schritte gehen geradeaus; er geht wie ein Soldat über ein Totenfeld, wo er sich weder an Kadavern stört, noch ausgerissenen Innereien. Alles, so verrät sein Blick, hatte Sinn. Alles. Auch die Dekadenz, der Verfall, der Niedergang, sogar der Untergang selbst; das alles musste so sein, bevor es sich bessern konnte.

Und wenn er in diesem Palazzo schritt, der noch vor über einem halben Jahrhundert der Stammsitz seines Familienzweiges war, der herrliche Sitz des großen Leone Foscari, der letzte Sitz der Foscari zu Palatina, bevor sie auf das Land gezogen waren - dann wusste er, die Talsohle war erreicht.

Er bleibt stehen. Fährt mit dem Daumen über einen Riss, der quer durch die Wand geht.


Ich sollte einen Maler rufen ...

Und lächelt zufrieden.
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Re: Palazzo Foscari „La Leonessa“

Beitrag von Marco Foscari »

Der letzte Ruf einer Nachtigall verstimmt zwischen den Hecken und Büschen der Città Antica. Der kühle Wind streift durch die Bäume, raschelt in Ästen und Blättern. In dunkelblauen Farbtönen liegen Paläste und Ruinen, Mauern und abgrebrochene Säulen, Renaissancefenster und geborstene gotische Wände auf dem Palatin zerstreut. Zwischen den Straßen und Gassen, den Tälern aus Stein und Pflanzen zieht ein Kutscher das Pferd am Wagen, führt es zu einem Stall.

Aus der Ferne schlägt der Campanile von Santa Maria. Erklingt das Glockenspiel von San Paolo. Läuten die Klänge von San Leone. Ergeben ein zahmes Konzert. Kein dröhnendes Schallen. Sondern ein Klavierspiel von Melodien und Tastentönen, die zusammenfinden. Zikaden zirpen in einer Zypresse. Die kalte Luft weicht einer warmen Brise, die über Obst- und Olivenbäume zieht.

Sie streicht das Haar des Foscari. Fährt durch seine Locken. Seine Beine liegen auf den Dielen der Dachterrasse, in die sich Würmer gefressen haben. Kübel mit Petersilie, Salbei und Rosmarin überwuchern die Umgebung. Schwalben nisten an der Mauerwand. Seine Hände ruhen auf dem Holz, er lehnt sich zurück.

Und atmet tief durch, als er auf das Panorama sieht, in dem sich Wassermorgenlichter mit Glockenturmgesängen und Gewürzgerüchen über dem Palatin vermischen.

Sie hatten Palatina verraten. Sie hatten es verlassen. Sie hatten der Schönheit selbst entsagt. Diesem Schauspiel aus Farben, aus Gerüchen, aus einer Stimmung, die er nicht beschreiben konnte; sein Herz fühlte sich hier so daheim, obwohl er in den Weiten der Mandrana aufegwachsen war. Doch alles in seiner Seele fühlte sich angesprochen; bejahte, stimmte zu, antwortete auf etwas, von dem er gar nicht gewusst hatte, dass er sich danach sehnte.

Liebe hieß, jemanden nur das Beste zu wollen. Palatina wollte nur das Beste für seine Menschen. Es umarmte die Menschen; seine Menschen. Es rief. Es lachte. Es musizierte. Tanzte. Machte sich über andere lustig. Gab sich erhaben.

Und weinte.

Sie hatten es verraten. Die Nobili hatten es verraten, als sie aufs Land zogen. Die Patrizier hatten es verraten, weil sie nicht mehr an das Wohl der Republik gedacht hatten. Die Cittadini hatten es verraten, weil sie nur noch vegetierten, statt das pralle Leben in den Straßen zu spüren. Der Popolo hatte es verraten, weil er nicht mehr wusste, was es bedeutete, ein Kind dieser Straßen zu sein.

Aber diese Stadt war nicht rachsüchtig. Sie sehnte sich nach ihren Kindern. Nach der Liebe der Menschen. Nach dem pulsierendem Leben in den Adern, die sich Straßen nannte. Weil diese Stadt kein anonymer Moloch und kein Provinznest war. Weil selbst der hässlichste Kanal Charakter hatte, und jede Ecke ihre Geheimnisse. Weil sie Menschen hervorbrachte und anzog, die wie sie selbst waren: nämlich einzigartig. Voller Seele.

Palatina hatte gewartet. Ewig gewartet. Gehofft, dass seine Nobili zurückkehrten. gehofft, dass der Palatin wieder von Leben erfüllt würde. Traurige Jahre des Verfalls kennzeichneten den Hügel, der über 2.000 Jahre das Zentrum dieser Stadt gewesen war. Traurig lagen die Paläste der alten Familie im Verfall; blätterte der Putz vom Ruhm der Altstadt; wucherte Unkraut dort, wo sich die schönsten Gärten Italiens über den Rücken des Palatins gezogen, wo Antea Braccioleone gesinnt, wo Scipione Buonavista geplant, wo Ezzo Malpazzi geherrscht hatte. Es waren lange, lange vergangene Zeiten.

Aber es waren Zeiten, die es wert waren, zurückzukehren. Weil Palatina sie erwartet hatte. Weil Palatina erwachte.
Und weil der Foscari Palatina liebte.
In dem Moment, da sich der Staat von seinen kulturellen Fesseln löst – der Kirche, zivilen Institutionen, Sitten und Bräuchen – wendet sich nicht nur der Bauer gegen den Adligen, sondern auch der Arme gegen den Reichen; aus Gleichheit vor dem Recht pervertiert die Vorstellung sozialer Gleichheit. Zuletzt wendete sich gar der Idiot gegen das Genie, weil dieser das Verbrechen begangen hat, anders zu sein als er selbst. - Vittorio Barzoni

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Marco Foscari
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Re: Palazzo Foscari „La Leonessa“

Beitrag von Marco Foscari »

Lerchengesang dringt zwischen efeubehangenen Zypressen, überwucherten Beeten und verwildertem Rasen des Foscari-Sitzes. Vergilbte Vorhänge einer offenen Terrassendoppeltüre flattern in der Luft. In einem salonähnlichen Saal schreitet der Foscari an einem Spiegel vorbei, bleibt davor stehen.

Lattepizzicato steht hinter ihm, legt ihm eine Weste um, knöpft sie ihm dann Stück für Stück zu. Foscari schaut geradeaus, betrachtet die glattrasierte Haut auf seinen Wangen, ob nicht doch noch irgendwo Stoppel übriggeblieben ist.


Ich habe den Stuckateur für heute Nachmittag bestellt.

Aber was erwartete er von einem Diener, der früher mit Rasiermessern quasi jongliert hatte? Der Franko-Italiener verstand sein Handwerk. Und nicht nur das.
Der Nobile betrachtet seine frisch gebügelten Kleider, deren Glanz sich vom Elend um ihn hervorhebt. Hierarchie und Ordnung im Chaos aus Dekadenz und Staub. Lattepizzicato war vielleicht nur ein Diener. Aber mancher Diener rückte mehr zurecht als ein General.

Foscari richtet sich den Kragen.


Was ist mit dem Glaser?

Nächsten Dienstag.

Foscari nickt. Er streckt den Arm aus. Golden glänzende Manschettenknöpfe mit dem Familienwappen schimmern kurz im Morgensonnenlicht, als der Diener sie seinem Herrn anlegt.

Euer Onkel liegt noch im Stall, wenn Ihr Euch gefragt haben solltet.

Habe ich nicht.

Lattepizzicato lässt sich davon nicht irritieren. Der Foscari hebt den anderen Arm, der Diener legt den anderen Manschettenknopf an.
Der Nobile fährt ungerührt fort.


Schickt bitte einen Brief in meinem Namen an meine liebe Tante Emilia, auf das Anwesen der Belpere. Man wird ihn sicherlich vermissen. Dort, wo er hingehört.

Er macht eine Handbewegung. Zwei Sekunden später gleitet der Stock zwischen seine Fingern, den ihn Lattepizzicato anreicht.

Uhrzeit?

Taschenuhrenklappen.

Siebenachtundfünfzig! spricht Lattepizzicato übertrieben militärisch

Bleiben mir noch zwanzig Minuten, um nach San Vittorio zu kommen.

Auf Taxis ist auch kein Verlass mehr
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Otrabe Krampus
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Re: Der Palazzo Foscari „La Leonessa“

Beitrag von Otrabe Krampus »

Im Stall erwacht derweil Jemand wieder zum Leben. Mit einem schweren Brummschädel hält sich Enrico an einem der Stützbalken fest. Mit etwas zugekniffenen Augen versucht er sich zu orientieren und streicht dabei mit seiner Hand an seinem Hemd entlang.

Wie komme ich hier hin? Kotze? Auch das noch! Und man hat mich mit dem Leichenwagen hergekarrt? Bah, dieser Gestank!

Er zieht sein verdrecktes Hemd aus und wirft es mit Schwung beiseite und versucht sich mit dem Wasser aus einem bereitgestellten Eimer so gut es geht zu reinigen. Als Enrico sich dabei in die Hose greift bemerkt er etwas was ihm überhaupt nicht gefällt.

Rasiert? Man hat mich untenherum rasiert? Hatte mich Otrabe nicht zu einem Tee eingeladen und mir die Geschichte mit den Tätowierungen erzählt? Ich muss hier raus! Ich muss hier weg! Das sind hier Mörder und Entführer!

Er rüttelt an den Türen doch alles ist abgeschlossen.

Hmm, vorn beim Pferd ist noch die Klappe in der Tür, damit es herausgucken kann.

Langsam nähert er sich dem Tier, redet freundlich und beruhigend darauf ein tippt ihm sanft auf die Seite, woraufhin es schlagartig umkippt und ohne sich zu rühren liegenbleibt. Enrico runzelt die Stirn.

Ausgestopft? Jetzt weiß ich in wessen Stall bin! Es gibt hier nur einen mit solche bekloppten Marotten. Lattepizzicato lass mich sofort raus!

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Marco Foscari
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Re: Der Palazzo Foscari „La Leonessa“

Beitrag von Marco Foscari »

Lattepizzicato hatte gehofft, den Palazzo endlich einigermaßen wohnlich gestalten zu können, hört aber gerade, als er ein Kissen abklopft, die Stimme von draußen. Er legt den Staubwedel zur Seite, spitzt die Ohren, hört neuerlich Lärm.

Der ist schon wach? Ärgerlicher Zeitplan ...

Er klappt die Tacshenuhr auf, sieht, dass es noch keine Neun Uhr sind. Er hatte gehofft, sich den Onkel des Herrn noch einige Zeit vom Hals halten zu können, bis er diesen quitt wurde. Foscari war in seinen Anweisungen klar gewesen: der Onkel sollte zurück auf das Belpere-Anwesen bei Castiglione. Foscari würde bald heiraten, bis dahin musste der Palazzo wieder wie vor einem Jahrhundert strahlen, und insbesondere brauchte es keine weitere Verwandtschaft hier! Wer so viele Verwandte hatte wie Foscari, musste auf Distanz bedacht sein.

Es hilft alles nichts.

Latte lässt die Taschenuhr wieder zurückschnappen, eilt dann über den Marmorflur und durch die Tür hinaus. Der Foscari del Cavallo rüttelte bereits an der Türe. Schnell zückt der Diener den wuchtigen Schlusselbund, es klimpert und klirrt, bis er das richtige Stück gefunden hat.

Ich bin sofort da!

Nach wenigen Sekunden klickt es erlösend.
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Re: Der Palazzo Foscari „La Leonessa“

Beitrag von Otrabe Krampus »

Enrico ist sauer, stinksauer da man ihn wie einen räudigen Hund in den Stall gesperrt hatte. Wortlos kommt er aus dem Stall heraus und trägt sein verdrecktes Hemd in der Linken.
RACHE!

Wutentbrannt, will er nach der spanischen Inquisition schreien.
Ah, nein gibts nicht mehr.

Er grübelt über die Dunkelheimer Bruderschaft?

Gibts auch nicht mehr. Aber....

Er wedelt mit seinem verdreckten Hemd umher und ruft so laut er kann.

Miez! Miez! Miez!

Erst kommen fünf, dann zehn, danach unzählige ausgehungerte palatinische Straßenkatzen. Einige schnüffeln bald am Hemd. Enrico nimmt dieses und wirft es durch die von Lattepizzicato aufgelassene Haustür in den Palazzo. Die Katzenhorde rennt hinterher und Enrico knallt die Tür hinter ihnen zu. Drinnen hört man jaulen fauchen und umfallendes Geschirr. Eines der Tiere muss das Hemd haben, die anderen folgen wohl. Er baut sich vor dem Diener auf.

Ich lasse Dich nicht eher wieder ins Haus bis du mir erklärt hast, warum ihr etwas in den Tee gekippt mir dann den Hintern rasiert habt! Spinnt Marco jetzt völlig? Ist er entgültig dem Schwachsinn anheim gefallen?

Das Gepolter und Gejaule im Hause wird lauter.

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Re: Der Palazzo Foscari „La Leonessa“

Beitrag von Marco Foscari »

Mit Verlaub, aber Barbierdienste gehören nur im Gesicht zu meinem Arbeitsvertrag als Valet.

hebt der Franko-Italiener pikiert vor. Offensichtlich ist Lattepizzicato weniger empört darüber, dass es sich um Enricos Hinterteil handelt, als dass dieser überhaupt in Erwägung zieht, er würde Zusatzdienste ausführen, die seinem Status als Kammerdiener zutiefst widersprechen könnten.

Was den Tee angeht, so bin ich durchaus dazu bereit, Euch einzuschenken, so Ihr wünscht.

erklärt er aber sich damit einverstanden, dem Cavallo eine Tasse zu servieren, sollte er dies zum Frühstück ordern.

Auffällig an der Szene bleibt Lattepizzicatos völliges Desinteresse an der Katzenmeute. Mag es daran liegen, dass der Diener im Zirkus schon mit ganz anderen, wilden Tieren aus Südamerika und Asien hantieren durfte; oder vielleicht daran, dass der Palazzo seit 1743 so ruiniert ist, dass auch die berüchtigten "Miezen" nichts an dem Zustand weiter verändern können. Das wenige Geschirr, das sich im Haus befand, hatten Foscaris Vorfahren wohl aus Gründen zurückgelassen - es handelte sich um das hässliche rosa Prozellan mit den gelben Enten.

Klar, dass ausgerechnet dieser Kitsch das Jahrhundertbeben in der Città Antica überlebt hatte.

Wie beiläufig meint er dann:


Ach ja, verzeiht wegen des Stalls. Es ist noch einer der angenehmsten Räume im Haus. Die Spinnen im Gästezimmer sind faustgroß. Ich würde ja sagen, dass Ihr Sorgen haben müsstet, sie könnten ins Bett kriechen - aber ein Bett haben wir auch keins.

fährt er fort, macht eine Handbewegung

Mein Herr fand Euch angetrunken auf einem Leichenwagen. Euer Neffe, der Herr Nachtwächter Otrabe Krampus, lieferte Euch ab. Offensichtlich war er auf der Suche nach einer Schatzkarte oder dergleichen.
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Re: Der Palazzo Foscari „La Leonessa“

Beitrag von Otrabe Krampus »

Enrico glaubt ihm überhaupt nichts, aber um des lieben Friedens willen wirft er dem Hausfaktotum den Schlüssel zu.

Zum einen, ich war nicht betrunken! Verdammt noch mal! Ich wurde betäubt! Zum zweiten, bevor ich mir... Bah!

Verärgert winkt er ab.

Tee in diesem Dreckloch? Nein danke. Ich wusste ja dass dieser Teil meiner Familie degeneriert ist aber wenn der Pferdestall der beste Raum sein soll, dann verzichte ich dankend.
Er ist Dogenberater, wohnt in einer Ruine und hält sich ein ausgestopftes Pferd. Pah!
Ich züchte Pferde, habe Olivenbäume und eine gute Frau. Er sollte sich ein Beispiel an mir nehmen und einmal körperlich arbeiten. Ich habe genug von Euch und der Stadt. Sollte mir Marco begegnen dann gnade ihm Gott! NICHTS glaube ich euch!


Er dreht sich um und lässt Lattepizzicato einfach stehen und verlässt ohne Hemd und mit offener Hose die Szenerie. Er dreht sich nochmals um und steckt dem Diener die Zunge heraus und brummelt sich danach etwas in den Bart.

Eine Frau wird er wohl auch nicht haben, vermutlich stopft er sich ein Huhn in den Stiefel und sein Diener kanns hinterher mit Wagenschmiere wieder herausfriemeln.

Das Getobe und Gejaule im Gebäude wird derweil um so lauter.

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Marco Foscari
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Re: Der Palazzo Foscari „La Leonessa“

Beitrag von Marco Foscari »

Lattepizzicato erträgt den Groll des Onkels mit stoischer Gelassenheit. Wer am finnischen Meerbusen mit einem englischen Gentleman in 80 Tagen durch Europa gereist war, und selbst in der dortigen Kälte ein exakt auf die richtige Temperatur gebrachtes Teewasser erhitzen musste, der kannte Schlimmeres als marodierende Katzen oder solcherlei Verwandtengeschichten.

Ich wiederhole nur das, was Herr Otrabe Krampus gesagt hat. Wie schon erwähnt: er hatte wohl die Absicht, eine Schatzkarte ausfindig zu machen. Seiner Behauptung nach befand sich eine Tättowierung auf Eurem verlängerten Rücken, die ein Teil derselben sein soll. Offensichtlich ist er hinter einem Familienvermögen her, das eigentlich Euch zustehen würde.

sagt der Diener ganz unschuldig wie nebenbei, als hätter er mit dieser Merkwürdigkeit nichts zu schaffen

Solltet Ihr beabsichtigen, wieder auf das Anwesen der Belpere zu fahren - die Fähre nach Castiglione sul Mandro fährt in einer Stunde ab. Vielleicht wäre es in dieser Zeit durchaus zu prüfen, ob Ihr auch richtig angekleidet seid ...

Erwähnt er mit leichtem Nachdruck - man wollte ja nicht zulassen, dass sich Enrico über Gebühr zum Gespött machte. Andererseits konnte man ihn nicht vor jeder Dummheit bewahren.

Die Worte, die sich der Onkel in den Bart grummelt, bekommt der Diener tatsächlich teilweise mit. Dafür ist sein Gehör aus seiner Zeit als Doppelspion zu gut ausgebildet. Und es erleichtert ihn: offensichtlich hatte die Verwandtschaft auf dem Land noch nichts von der anstehenden Vermählung mit Salomè Albizzi mitbekommen. Foscari wünschte eine private Zeremonie im kleinen Kreis, außerhalb der Hauptstadt. Offensichtlich hatte niemand getuschelt.

Die Vorhaltungen, was "körperliche Arbeit" angeht, lässt der Diener außen vor. "Körperliche Arbeit" bedeutete bei Enrico, die Leber körperlich arbeiten zu lassen.
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