Der Palazzo Foscari „La Leonessa“

Die Oberstadt auf dem Palatina ist immer noch der Sitz der Mächtigen und bedeutenden Familien. Seit dem Beginn des 18. Jahrhunderts stagniert der Stadtteil jedoch, teils gibt es verfallene und verlassene Contraden. Das Parlament hat seinen Sitz im einstigen Dogenpalast. Die reaktionären Nobili und ihr Anhang haben hier ihren Platz.
Otrabe Krampus
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Re: Der Palazzo Foscari „La Leonessa“

Beitrag von Otrabe Krampus »

Gerade eben liegen die Carabinieri in Stellung, schon werden sie von den Katzen umringt, welche entweder betteln oder Streicheleinheiten wollen. Gezieltes Schießen ist somit ausgeschlossen. Die beiden Angreifer nutzen die absurde Situation.
Während der Große jeden mit einem Schlag fertig machen kann, ist der Kleine besonders schlagfertig. Kaum beginnt der Oberschreihals der Carabinieri herumzubrüllen, hat der Kleine schon eine Antwort parat.


Werter Kollege, wir sind vom palatinischen Geheimdienst, wir verhören hier gerade einen Kriminellen! Er ist Mitglied der französischen Diebesgilde. Die Lizenz ist in seiner Tasche! Zudem baut er oben auf dem Dach wilden Thymian und Oregano an und das ohne Lizenz des Dogen. Ihr könnt ihn gerne festnehmen, dann kann ich mit meinem Mitarbeiter Übelix die zweite bereits geflohene Person suchen. Schöne Uniformen, finde ich, sehr adrett. Ihr habt ein wahrlich gepflegtes Auftreten. Lobenswert!

Er zieht vor dem Carabinieri seinen Helm, verbeugt sich kurz und gibt seinen Kumpanen ein Zeichen, dass dieser von seinem Opfer ablassen soll und marschiert dreist an den Carabinieri mit den Gewehren vorbei und verlässt das Gebäude, der Dicke folgt ihm.

Ich dachte wir wollten seinen Ar...
Ruhe! Wir haben einen Straftäter zu jagen!

Kaum sind die beiden draußen, betritt der Nachtwächter Otrabe das Gebäude und guckt verwundert, aber auch verärgert in die Runde. Gerade wollte er seine Runde beenden und bemerkte offene Türen.

WAS IST HIER LOS? Waffen in meines Cousins Haus? Ich glaube ich spinne.

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Marco Foscari
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Re: Der Palazzo Foscari „La Leonessa“

Beitrag von Marco Foscari »

Sind denn hier alle verrückt geworden ...

Lattepizzicato will gerade zur Seite ausweichen, wie er es als Artist hundertfach im Zirkus geübt und getan hatte, als die Faust des Dicken in seine Richtung schnellt; ein Zirkus war das hier sowieso alles, und da der Diener gerne parierte, greift er zu einem Rückwärtssalto-ähnlichen Sprung nach hinten.

Etwas enttäuscht muss der Franko-Italiener jedoch einsehen, dass ihm das Kommando der Carabinieri seinen großartigen Auftritt stiehlt. Die perfekte Choreographie der Soldaten eifert mit jeder Einlage mit, und das synchrone Klicken der Gewehre ist eine Wonne!

Der Diener sieht jetzt nur noch von der Seite den Abtausch mit den gallischen Gästen zu.


Sergente Custozza!

erkennt er den Blonden plötzlich. Der Sergente war kein Unbekannter in der Città Antica, man sah ihn hier öfters, man hatte ihm größtenteils diesen Stadtteil zugeordnet, um für Ruhe und Stabilität in den sensiblen Regierungsgebäuden und Familienpalästen zu sorgen. Liberale Subjekte konnten Attentate oder zumindest desavouierende Manöver versuchen, um das Ansehen des Staates zu schädigen - so lautete die Devise, weswegen man den Carabinieri einen großen Spielraum im Regierungsviertel gegeben hatte. Dass der Palazzo eines Dogenberaters durchgehend observiert wurde, war demnach kein Zufall.

Messer Custozza, wie ... wie vorausschauend, vorbeizuschauen! Eine ... Ehre! Wirklich!

Anders als bei Enrico oder den Franzosen wird der Diener hier deutlich zögerlicher, seine Stimme ringt nach Worten. Carabinieri waren keine Wächter. Carabinieri waren mehr. Und vor allem bedeuteten sie Ärger.
Den Diener beruhigt dabei nur das Gewissen, dass nicht er es ist, der mit Ärger rechnen muss.
Plötzlich verschwinden die Gäste, so schnell wie sie gekommen waren.


Au revoir! Adieu! Auf - hoffentlich - nimmerwiedersehen ...

winkt er ihnen nach - und sieht dann Otrabe eintreten.

Ser Krampus! Ihr beehrt uns also auch!

Er beißt die Zähne zusammen. Langsam sollte er Eintrittskarten für dieses Haus verlangen. Wenn denn nach diesem Tag noch etwas übrig war.
An dem Tag, an dem ER EIGENTLICH RENOVIEREN wollte ...
In dem Moment, da sich der Staat von seinen kulturellen Fesseln löst – der Kirche, zivilen Institutionen, Sitten und Bräuchen – wendet sich nicht nur der Bauer gegen den Adligen, sondern auch der Arme gegen den Reichen; aus Gleichheit vor dem Recht pervertiert die Vorstellung sozialer Gleichheit. Zuletzt wendete sich gar der Idiot gegen das Genie, weil dieser das Verbrechen begangen hat, anders zu sein als er selbst. - Vittorio Barzoni

Otrabe Krampus
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Re: Der Palazzo Foscari „La Leonessa“

Beitrag von Otrabe Krampus »

Otrabe ist wirklich ahnungslos, was hier vorgefallen ist. Jedoch hat er vor dem Sergente bei weitem weniger Respekt, als es Lattepizzicato hat. Man kennt sich, da man sich der Berufe wegen jede Nacht über den Weg läuft. Der Nachtwächter bleibt völlig entspannt.

Custozza, ihr schießt einmal wieder mit Kanonen auf Spatzen. Hat Lattepizzicato zu laut gesungen? Oder haltet ihr ihn für einen Einbrecher? Er wohnt hier und soll das Haus für den Dogenberater Foscari wieder herrichten. Lasst mal gut sein.
Allerdings muss ich darauf hinweisen, dass hier zwei Einbrecher ihr Unwesen treiben. Ein Dicker in gestreiften Hosen und ein kleiner mit einem dämlichen Helm. Sie waren in meiner Wohnung und durchwühlten meine Bibliothek. Meine Frau hatte sie erwischt, als sie mit einem meiner Bücher flohen. Saubande! Aber nun zum Grunde meines Erscheinens

Er hat in seiner Linken einen kleinen Beutel mit einem schweren Inhalt dabei und überreicht diesen dem Diener.

Eine Flasche Wein, zum Einzug. Er ist von den jahrhundertealten Weinhängen des alten Dandolo Weingutes zu Auriana und ein gutes Vierteljahrhundert alt. Seht es bitte auch als Entschuldigung an, dass ich euch den Saufkopf untergejubelt hatte.
Und bevor ich es vergesse... HARALD KOMM REIN!

Kaum hat er den Namen gerufen, betritt ein ausgewachsener Zuchtbulle den Raum. Das Tier guckt ein wenig irritiert in die Runde und weiß nicht so recht was es hier soll.

Onkel Enricos Bulle, welchen er auf dem Markt erworben hatte. Weck Enrico bitte, Ich will mich nicht andauernd um das Vieh kümmern. Und hier sind noch seine Hühner.

Er deutet nach hinten und fünf Hühner betreten den Raum, dicht gefolgt von einer Dame welche einen Wäschekorb trägt.

Mahlzeit! Draußen regnet es schon wieder. Schön dass wir hier seit Jahren diesen Trockenraum nutzen können. Toll dass auch einmal Männer anwesend sind.

Sprachs, spannte eine Wäscheleine quer durch den Raum und begann nasse Wäsche aufzuhängen.

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Marco Foscari
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Re: Der Palazzo Foscari „La Leonessa“

Beitrag von Marco Foscari »

Lattepizzicato harrt zuerst skeptisch der nächsten Wendung, die da kommen mag – aber da ist keine. Er hatte erwartet, dass vielleicht eine Elefantenherde als nächstes auftauchen könnte, oder eine Horde herrenloser Hottentottenhutträger. Nichts! Fast ist der Artist erstaunt, nicht wieder fliegenden Messern ausweichen zu müssen, ob reellen oder metaphorischen.

Zwei Verbrecher, ja, sehr richtig nimmt er den Faden auf gallische dazu. Sie sind soeben entkommen. Es war haarknapp, sage ich Euch.

Der Diener nimmt Haltung an, als er das Geschenk sieht. Seine Augen funkeln.

Da wird mein Herr sich freuen. Er ist so gerne unabhängig von der Sant’Ambrogio-Linie. Wenn man sein ganzes Leben mit Foscari-Wein zugeschüttet wird, dann sehnt man sich nach Abwechslung. Und in der Familie bleibt es ja irgendwie auch. Irgendwie.

Weitere genalogische Anspielungen will er heute keine mehr tätigen, es ist ihm schlicht genug, am Ende suchte man noch nach Tattoos auf seinem Hintern. Krampus hatte ja mit der ganzen Sache erst angefangen.

Bedaure, wenn es hier scheußlich aussieht, und wir nur wenig im Repertoire haben, aber wie Ihr ja selbst sagt … alles noch recht frisch und neu!

Krachen meldet sich aus dem Salon. Offensichtlich ist dort ein ganzer Batzen Putz von der Decke gefallen.

Also, neu und doch irgendwie wieder sehr alt.

Dann kippt sein Kopf leicht zur Seite, als er sieht, was alles ins Haus geschleppt wird. Seine Augenbrauen zucken.

Öhm … Enrico hat das Haus bereits verlassen.

... und natürlich kommt das Pendant einer Elefantenherde ins Haus. Gut, dass ihn das auch nicht mehr erschüttern kann.
In dem Moment, da sich der Staat von seinen kulturellen Fesseln löst – der Kirche, zivilen Institutionen, Sitten und Bräuchen – wendet sich nicht nur der Bauer gegen den Adligen, sondern auch der Arme gegen den Reichen; aus Gleichheit vor dem Recht pervertiert die Vorstellung sozialer Gleichheit. Zuletzt wendete sich gar der Idiot gegen das Genie, weil dieser das Verbrechen begangen hat, anders zu sein als er selbst. - Vittorio Barzoni

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Re: Der Palazzo Foscari „La Leonessa“

Beitrag von Otrabe Krampus »

Otrabe freut sich darüber, dass sein Geschenk anzukommen scheint. Allerdings sollte diese Geste dem Diener gelten und nicht dem Herren.

Foscari wird sich bestimmt freuen, wenn ihr ihm die leere Flasche schenkt.Er sammelt sowas.

Er deutet auf ein kleines Braunes Papieranhängsel welches um den Flaschenhals bammelt, greift letztlich danach und dreht es um, damit Lattepizzicato die Widmung entdecken kann.

Ehre dem, den die Ehre gebührt.
Ich habe sehr wohl gesehen, dass sich Marco sofort verdrückt hat, so wie er es immer macht, wenn die Verwandtschaft kommt.

Er greift in seine Tasche und holt eine weitere aber kleinere Flasche hervor, wohl wissend, dass es zu Eifersüchteleien kommen kann, wenn der Diener beschenkt wird, jedoch nicht der Herr.
Das hier kann er bekommen.
Rum aus der Familie eines gewissen Iulius Sulla, auch aus Auriana, auch viele Jahre alt.
Sulla produzierte in Auriana nicht nur Bier, sondern begann später auch Rum zu brennen. Geizig wie dieser jedoch war ging er dabei, wie auch beim Bier, welches er mit Wasser streckte, auch hier nicht besonders sauber vor. Die Einwohner nutzten sein Getränk letztlich als Putzmittel, oder verschenkten es als Beleidigung an unliebsame Verwandte.
Meine Frau putzt damit die Fenster. Damit bekommt er jeden Fleck von der Scheibe und jede Schüssel blank. Putzen und ein wenig Bewegung schadet ihm nicht.

Währendessen, hat die Nachbarin eine weitere Wäscheleine gespannt. Eines der Hühner lässt sich darauf nieder und wackelt nun samt Wäsche direkt vor der Nase des Zuchtbullen herum. Dieser schnaubt und die Wäscheleine schwingt um so mehr.

Was machen wir nun mit dem Bullen? Harald ist ein extrem wertvolles Tier, absolut sanftmütig und keinerlei Gefahr. Er hat noch nicht einmal einen Ring durch die Nase und folgt wie ein Hund.

Otrabe streichelt den Kopf des Tieres, welches scheinbar sehr erfreut zu sein scheint. Begeistert erzählt er dem Diener die Vorzüge dieses Zuchtbullen. Er hatte am Vorabend vor dem Viehmarkt noch ein kurzes Gespräch mit Enrico Foscari geführt.

Einmal die Kuh bespringen lassen würde ich glatt mit einem Zehner berechnen. Marco braucht doch Geld und solange er auf den Bullen aufpasst finde ich es legitim, dass er dafür einen Gegenwert einstreicht. Bei mir in der Dachgeschosswohnung ist kein Platz, sonst hätte ich ihn genommen.

Das Gepräch wird je unterbrochen, da sich Renate, jene Dame welche vorhin mit in das Gebäude kam, darüber aufregt, dass das Vieh ihre Wäsche besudelt.

Verdammt nocht mal! Die Viecher versauen meine gesamte Wäsche! Raus hier! Alle! Dies ist kein Stall, dies ist kein Soldatenheim und kein Nachlager für ...

Sie deutet auf Lattepizzicato.
irgendwelche fremden Hofnarren vom Wanderzirkus. DAS IST DER TROCKENRAUM FÜR DIE WÄSCHE!

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Marco Foscari
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Re: Der Palazzo Foscari „La Leonessa“

Beitrag von Marco Foscari »

Rum? Hmm ...

Lattepizzicato überlegt eine Sekunde lang.

Ist der lizensiert?

Der Diener spricht dabei mit zusammengebissenen Zähnen wie ein Bauchredner. Schließlich standen die Carabinieri nur etwas weiter weg, und der Rum-Import fiel unter gewisse Auflagen. Zucker-Importe aus Auriana wurden sehr genau beobachtet. Rum war strenggenommen kein Artikel, der unter das Zucker-Gesetz fiel, aber es gab insbesondere in der aufklärerisch-moralischen wie auch in der reaktionär-traditionalistischen Kaste der Stadt Vorbehalte. Man behauptete, dass Zucker als Rauschmittel zu verurteilen sei, und Rum sei nichts Geringeres als ein Gebräu aus Zucker, demnach ebenso problematisch. Andere erklärten, es handele sich um eine Einstiegsdroge. Einzig in der palatinischen Marine, die im engen Kontakt mit der Royal Navy stand, gab es Stimmen, die solche Angriffe als Gewäsch abtaten. Marinepersonal, ob einfacher Marinaio oder Capitano, stand als einzige nicht unter Verdacht beim Rumkonsum, da es eine aus der Navy überkommene Tradition war, in kalten Seenächten den Wein mit Rum aufzuhitzen.

Da aber Krampus unterstreicht, dass dieses Gesöff kaum in die Nähe eines Zustandes kommt, den man als rauschhaft, geschweige denn verzehrbar nennen kann, ist Lattepizzicato etwas weniger beunruhigt als zuvor.


Oh, sehr freundlich. Damit kann ich vielleicht den nervigen Marder auf dem Dach vergiften locken. Oder wenigstens ein paar der Flecken ...

Er wird unterbrochen von ein paar gackernden Hühnern, die durch die Luft flattern und Federn verlieren, um dem Bullen zu entgehen.

... entfernen.

Der Diener verzerrt die Miene. Einen Augenblick überlegt er: in die Pferdeställe konnte er das bullige Vieh kaum bringen. Ins Haus - besser nicht, es gewöhnte sich noch dran, und die baldige Donna Foscari wäre auch nicht amüsiert. Ihm fällt die Verwandtschaft im Umland ein:

Wäre es nicht besser, ihn nach Sant'Ambrogio bringen zu lassen? Da hat er genügend Auslauf, Landluft, Gras ...

Dann donnert Renatas Ausruf rein. Lattepizzicatos Mimik beschränkt sich auf das Notwendigste.

Wenn Ihr meint, Siera.

Der halbe Franzose macht sich bei ihm jetzt deutlich bemerkt er. Entweder war man revolutionär oder Fatalist. gerade dominierte Letzteres. Der halbe Italiener wiederum bittet gerade Gott flehentlich, ihm seine Sünden zu vergeben, denn irgendetwas, IRGENDETWAS musste er verdammt schlecht gemacht haben, um so bestraft zu werden. Verdient hatte er es wohl aus irgendeinem Grund.

Er wendet sich an die Carabinieri.


Messieri - gibt es nicht einen Paragraphen in der Bürokratie der Republik, der die Beherbergung von Tieren in Wohngebäuden unter Denkmalschutz in der Città Antica verbietet?

Mit Sicherheit gab es den. In der Endzeit eines jeden Staatswesens waren Regularien das einzige, was ihn noch zusammenhielt ...
In dem Moment, da sich der Staat von seinen kulturellen Fesseln löst – der Kirche, zivilen Institutionen, Sitten und Bräuchen – wendet sich nicht nur der Bauer gegen den Adligen, sondern auch der Arme gegen den Reichen; aus Gleichheit vor dem Recht pervertiert die Vorstellung sozialer Gleichheit. Zuletzt wendete sich gar der Idiot gegen das Genie, weil dieser das Verbrechen begangen hat, anders zu sein als er selbst. - Vittorio Barzoni

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Re: Der Palazzo Foscari „La Leonessa“

Beitrag von Otrabe Krampus »

Wenn ihr meint? Wie bitte?
Renata kommt es vor als würde man sie überhaupt nicht wahrnehmen, sie überhaupt nicht beachten. Sie ließ sich ja viel gefallen, war auch gutmütig. Aber wenn es darum ging, dass man ihr Widerworte gab, dann konnte sie sich vergessen. Dieses "sich vergessen" kann man in diesem Falle jedoch nicht mit dem "sich vergessen" eines Gotthart Krampus vergleichen der in dem Falle in den Kampfmodus überging, nein. Gotthart war dagegen niedlich.
Dieses "sich Vergessen" hier entspricht jenem einer etwa fünfzig jährigen italienischen Mutter von zehn Kindern im Verteidigungsmodus. In etwa wie ein Gorilla mit Zahnweh, der einem Arme und Beine ausreißt und einem danach damit verprügelt.
Allerdings begnügt sie sich vorerst damit böse in die Runde zu schauen. Es ist ein durchdringendes Schauen, welches Wirkung zeigt. Die Tiere verstummen sofort.

Ich höre? Redet!
Otrabe duckt sich und geht langsam Richtung Tür. Es herrscht gespannte Stille, selbst der Bulle rührt sich nicht und die Hühner schleichen sich ohne zu Gackern davon. Aus der Ecke hört man lediglich das Geräusch einer umkippenden und gähnenden Katze.
Ich sagte RAUS! Dies ist der Wäscheraum!
Selbst der riesige Bulle ist beeindruckt, kurz darauf beginnt die Tiermeute zeitgleich mit der Flucht zum Ausgang. Otrabe weiß nur zu genau was gleich passiert.
Custozza bringt eure Leute in Sicherheit und kommt mit raus, wenn euch eure Gesundheit lieb ist. Ich kenne diese Frau.
Spricht er noch im Hinausgehen und folgt den Tieren.

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Marco Foscari
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Re: Der Palazzo Foscari „La Leonessa“

Beitrag von Marco Foscari »

Lattepizzicato geht einen großen, aber dezidierten Schritt zurück. Er hatte heute eine besondere Pechsträhne, die möglicherweise noch mit der Zerstörung des gesamten Gebäudes enden wollte, so viel Druck war in diesem Kessel; und diesen Kessel symbolisierte Renata. Doch dieses eine, kurze Mal war er nicht das Zentrum, richetete sich die Explosion nicht gegen ihn. Der Diener nimmt es direkt auf, indem er sich etwas mehr denn sonst gegen die Wand quetscht, so, als wollte er am Rücken mit ihr verschmelzen.

Saint Dieu.

spricht er zu sich, wobei seine Worte ein merkwürdiges Gemisch aus französischen Wörtern italienischer Betonung bildet. Seine Augen klacken wie Kugelstoßpendel zwischen Renata und Custozzo hin und her.
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Re: Der Palazzo Foscari „La Leonessa“

Beitrag von Otrabe Krampus »

In diesem Moment reisst die Wäscheleine und die frisch gewaschenen Hemden Renatas fallen in die Hinterlassenschaften des Bullen. Die verärgerte Frau hebt die Wäsche an. Es ist nahezu alles wieder verdreckt.

Das kann es nicht sein! Das kann nicht wahr sein!
Dreimal habe ich die Hemden heute schon gewaschen! Dreimal ist hier im Haus die Leine gerissen!
Aller Guten Dinge sind Drei! Ein viertes Mal wasche ich nicht!


Die älteren palatinischen Damen waren teils ziemlich abergläubisch. Die selbe Sache mehr als dreimal pro Tag machen zu müssen, weil diese durch Unglücke verdorben wurde, würde Unheil bedeuten. Renata wirft ihre dreckige Wäsche zu einem Haufen in der Mitte des Raumes zusammen. Sie nimmt ihr Feuerzeug mit dem sie sich immer ihre Zigarren anzündet und beginnt Hemd für Hemd, Schlüpfer für Schlüpfer anzuzünden, egal ob sie nun in einem Haus ist oder nicht.
So war sie halt. Dieses Verhalten war auch ein Grund dessen, dass ihre Nachbarn sagten: "Sie hat nicht alle Ratten im Rennen".


Feuer reinigt und vertreibt böse Geister.

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Re: Der Palazzo Foscari „La Leonessa“

Beitrag von Marco Foscari »

Lattepizzicato blinzelt. Er sieht kleine Flämmchen flackern, glaubt, sich diese zuerst einzubilden. Er hat nicht zugehört, was Renata gesagt hat, bemerkt erst jetzt, dass die Alte offensichtlich vorhat, ein Inferno zu entzünden.

Dann revidiert der Diener den Gedanken: was kann hier eigentlich noch brennen außer der hereingeschleppte Unrat? Womöglich bekam er ja so diesen Mob los ...


Verzeiht mir die Anmerkung, Siera, aber bringt es nicht auch Unglück, im Rauminneren Feuer zu entzünden?

Andererseits konnte er natürlich nicht zulassen, dass das Stadthaus der Foscari bei der Rückkehr des Hausherrn in noch ruinöserem Zustand war als bei dessen Verlassen. Und der zur Salzsäule erstarrte Carabinier' schien ihm auch nicht weiterhelfen zu wollen.
In dem Moment, da sich der Staat von seinen kulturellen Fesseln löst – der Kirche, zivilen Institutionen, Sitten und Bräuchen – wendet sich nicht nur der Bauer gegen den Adligen, sondern auch der Arme gegen den Reichen; aus Gleichheit vor dem Recht pervertiert die Vorstellung sozialer Gleichheit. Zuletzt wendete sich gar der Idiot gegen das Genie, weil dieser das Verbrechen begangen hat, anders zu sein als er selbst. - Vittorio Barzoni

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