Die Admiralität

Die große Zitadelle von Palatina ist der Hauptsitz des Esercito, des palatinischen Militärs. Sie dominiert San Pietro und gilt als Nachfolgerin der veralteten Fortezza. Die Waffenmanufaktur und der Exerzierplatz sind ihr angeschlossen, das Arsenale ist ein verlängerter Teil der Zitadelle und gilt als eigener Teil des Komplexes.
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Marcantonio Castelli
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Re: Die Admiralität

Beitrag von Marcantonio Castelli »

Mit steinerner Miene nickte Marcantonio jedes mal, als der Provveditore einen Befehlspunkt aufzählte. Schlussendlich salutierte er. Spätestens morgen früh sollte er aufbrechen - es war also sehr dringlich. Nicht nur, dass die Nachricht sicher auch ihre Zeit gebraucht hatte, um die Hauptstadt zu erreichen - etwas in der Stimme des Mascarpone war ungewöhnlich dringlich, geheimnistuerisch zugleich.

"Der Umstand, dass nicht die Franzosen das Feuer eröffnet haben, hat politische Gravitas, Provveditore. Ihr wisst, dass ich mich da heraus halte - das ist eher das Gebiet meines Bruders." Gab der Castelli zu verstehen, dass von ihm seine Pflichterfüllung zu erwarten war, keine politische Auslegung. "Aber soweit die Mission es erforderlich macht, dass ein Kapitän der Marine die Überreste einer französischen Brigg in palatinischen Hoheitsgewässern sicherstellt, sehe ich es als meine Pflicht an, dies sorgfältigst zu machen!"

Marcantonio wurde immer skeptischer, in was für eine Angelegenheit er sich gerade verwickeln ließ. Es waren nicht seine Seemannssinne, die klingelten - sondern die eingerosteten, fast unterdrückten Eingebungen eines Patriziers, der wusste, wenn der Republik etwas bevorstand. Wenn Palatina in den Adern floss - dann spürte man jede ungewöhnliche Welle.

"Eine Frage bleibt mir noch, Provveditore." Der Castelli sah seinen Vorgesetzten diesmal direkt an, machte keinen hehl daraus, dass er verstanden hatte, dass dies eine heikle Mission war. "Auf wie viel Unterstützung der Marine werde ich hoffen dürfen, wenn sich diese Mission doch als größer als vermutet herausstellt?"

Damit meinte Castelli folgendes: Palatina hatte den Ruf, unheimlich verstrickt zu sein. Das Esercito argwöhnte der Marine, die es unter seinen Nagel reißen wollte und bestenfalls als Kostenpunkt beseitigen - die Marine war unter sich zerstritten, weil hoch dotierte Posten rah gesäht und die Konkurrenz groß war. Und nicht wenige politische Figuren hatten ihre Finger im Spiel bei der Vergabe von Aufträgen und Posten. Wenn es sich also, wie Castelli befürchtete, herausstellen sollte, dass diese Mission geheimerer Natur war - so war er schlimmstenfalls auf sich allein gestellt. Und sein Scheitern wäre nicht nur für die Marine fatal, sondern für ihn und seine Familie ein Desaster.
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Valerio Mascarpone
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Re: Die Admiralität

Beitrag von Valerio Mascarpone »

Der Provveditore versteht Castellis Bedenken. Sie sind absolut angebracht. Aber der Capitano dürfte sich nicht umsonst diese Gedanken gemacht haben. Es war nicht das erste Mal, dass die Semifreddo dazu auserkoren wurde, inoffizielle Missionen auszuführen. Sie fuhr schnell, erreichte überraschend ihr Ziel - und zog sich überraschend zurück. Die Barbaresken verfluchten sie daher als "Geisterschiff".

Diese Mission, das musste der Capitano da Mar verstanden haben, war ähnlich.


Solange Ihr innerhalb der palatinischen Grenzen agiert erklärt Mascarpone wird Euch nichts passieren. Sollten sich die Franzosen auf unserem Boden schlecht betragen, dann geht die Aggression von Ihnen, nicht von uns aus.

Aber ...

Es war ein deutliches, lautes Aber.

Aber ich kann nicht dafür garantieren, was die Politik tut. Die Republik wird sich in keinen Krieg gegen ein so mächtiges und unkontrollierbares Land wie Frankreich hinreißen lassen. Mit oder ohne britischen Schutz. Sollten wir uns hier in diplomatische oder politische Aktionen verheddern, dann wird man uns als Unruheherd darstellen und auch die britische Krone wird kein Interesse haben, einem italienischen Kleinstaat zur Hilfe zu eilen, weil er sich an Strandgut labt.

Nun wird Mascarpones Blick deutlich dunkler. Ernster.

Tut, was erforderlich ist. Aber lasst Euch in nichts verheddern, was die Serenissima nicht wieder gut machen kann.
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Marcantonio Castelli
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Re: Die Admiralität

Beitrag von Marcantonio Castelli »

Da war der Haken. Natürlich gab es einen Haken.

Eigentlich hatte Marcantonio nie etwas mit der Politik am Hut haben wollen. Das war immer Pieros Feld gewesen. Der Patrizier hatte sich emporgearbeitet, durch verschiedene Ministerien gekämpft, bis er auch im Parlamento an nicht unbedeutsamer Position gelandet war.
Marcantonio hingegen - er war zur See gefahren. Hatte gelernt, Befehlen zu gehorchen und sie zu geben. Ein Schiff zu organisieren, die Mannschaft auf Trab zu halten, Fracht, Personen, Kanonen zu transportieren, die Küsten zu patrouillieren und Barbaresken fern zu halten von Palatinischen Häfen. Aber auf dipomatische oder gar politische Missionen - darauf hatte ihn niemand vorbereitet. Auch wenn er hin und wieder gefährlich nah an Konflikten vorbeigeschrammt war und sicher das eine oder andere Mal unbewusst Werkzeug der Republik gewesen war - so offensichtlich war noch keine Mission gewesen.


"Ich werde mein bestes tun, Provveditore. Ihr kennt mich und meine Fähigkeiten und meine Loyalität, die der Republik und der Marine gilt."

Fasste der Castelli schroff zusammen, salutierte nocheinmal. Mehr musste er nicht sagen - er kannte den Mascarpone nun bereits einige Jahre und der Provveditore auch ihn. Seine Loyalität war gegen jeden Zweifel erhaben und seine Fähigkeiten als Seemann ebenso. Wenn sein Auftrag war, ein Schiffswrack ausfindig zu machen, Personen und Ladung zu bergen und in die Republik zurückzueskortieren - so würde er das machen.

"War das alles, Provveditore?"

Fragte der Capitano, bereits bereit um abzutreten und zu der Tarquinio Semifreddo zurückzukehren.
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Tino Mascarpone
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Re: Die Admiralität

Beitrag von Tino Mascarpone »

Kaum, dass Castelli die letzte Frage ausgesprochen hat, reißt die Türe auf. Wassertropfen benetzen den Boden des Admiralsbüros. Im Türrahmen steht Tino, durchnässt von oben bis unten, aber die Haltung stolz und aufrecht wie die eines Seemanns, dessen Schiff untergegangen ist, aber mit der letzten Salve auch den Feind versenkt hat, um sich dann doch noch an Land zu retten.

Der Junge wirft sich in heroische Pose, setzt sich seinen Dreispitz auf – aus dem ein Wasserguss herausquillt, Tino noch einmal durchnässt. Algen und Muscheln aus dem Bassin verteilen sich auf dem Boden.


Verzeiht, mein Provveditore. Hindernisse blockierten meinen Weg zu Euch. Ihr werdet Euch fragen, was diese Hindernisse waren, aber ich versichere Euch, nichts, was meine Unpünktlichkeit wettmachen könnte!

gelobt er, dass es sich um keine Ausrede handeln soll, verliert dabei auch keinerlei Worte, woher die nasse Uniform und der nasse Hut herrühren könnten – womöglich, weil er davon ausgeht, dass die Erklärung vielleicht etwas zu peinlich für ihn sein könnte.

Messer Provveditore, ich bin nun bereit, an Bord der Semifreddo zu gehen. Ich nehme an, Ihr habt Capitano Castelli bereits in Kenntnis gesetzt über die Umstände?

Man konnte es als vorlaut bezeichnen, wenn man Tino nicht kannte. Aber es war eine ehrliche, beinahe ehrerbietige Nachfrage, so als wollte er in Erfahrung bringen, ob die Sache unter Dach und Fach war, und er nun reden durfte; dass er seinen Vater düpierte, weil er die Angelegenheit bisher nicht angerissen hatte, konnte Tino freilich nicht wissen.

Die Düpierung ist allerdings eine ambivalente Angelegenheit. Denn hinter Tino taucht eine zweite Gestalt auf. Größer. Mit den Ranginsignien eines Commandante auf der Uniform.


Commandante Semifreddo war so freundlich, mir … aus einer delikaten Situation zu helfen und mich hierher zu begleiten. Ich bin ihm durchaus zu Dank verpflichtet.

erklärt Tino auf übertrieben noble Weise
Palatina erwartet, dass jeder Mann seine Pflicht tun wird. - Unbekannt

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Cesare Semifreddo
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Re: Die Admiralität

Beitrag von Cesare Semifreddo »

Und in der Tat, die Person die hinter Tino aus dem Dunkel des Tührramens hervor tritt, ist niemand geringeres als der Angekündigte dieser Ruhmreichen Familie.
Aufrecht und erhaben, den gold beränderten Zweispitz vor der Brust gehalten, steht er nun unmittelbar hinter Tino, wie eine Übergroße schützende Erscheinung. Gelassen blickt er durch den Raum zum Provveditore, den Capitano keines großen Blickes würdigend. Gelassen, wie es nur ein Mann sein kann, dessen Familiennamen alle Tische, Stühle, Gemälde und Zierden um ihn herum zu wispern scheinen: Semifreddo


Guten Tag, Provveditore.

Grüßt er mit fester Stimme.

Capitano
nickt er dann langsam aber beiläufig dem Patrizio zu.

Natürlich war Castelli bereits überpünktlich zur Besprechung erschienen. Es war stets eine besondere Eigenart der Auftseiger, sich durch übertriebene Folgsamkeit - Cesare denkt hier durchaus an das Wort "Schleimerei" - in der höheren Gesellschaft auszeichnen zu wollen. Castelli tat dies offenbar mit großem Erfolg, immerhin hatte er es zum Capitano gebracht. Eine Sache, die vor einigen Generationen noch undenkbar gewesen wäre. Was diesen Emporkömmlingen jedoch allesamt fehlte, war das Gespür. Das Gespür, nicht für die befohlene Uhrzeit, sondern für den richtigen Zeitpunkt.

Genau diesen hatte Cesare getroffen, als er nicht mit Castelli das Schiff verlassen, sondern zuerst die Bergung des im Wasser treibenden abgewartet und koordiniert hatte. Der an Bord gezogene hatte sich bald als Spross des Provveditore herausgestellt und war selbstverständlich direkt von ihm in Obhut genommen worden. Auch die Schuhe des jungen Marineangehörigen hatte man bald aus dem Wasser gefischt. Mit einer Decke notdürftig getrocknet, hatte er ihn schließlich hierher begleitet.

Er tritt einen Schritt vor, legt dem jungen Mascarpone nun neben ihm stehend, die rechte Hand fest auf die Schulter, den Eindruck der "Übergabe" dieses besonderen Fundstückes unterstreichend.


Ein Dank ist nicht nötig. Ich tat nur das Selbstverständliche.
wiegelt er trocken und ohne falsche Ehrerbietung ab.
Leider hatte ich keine Gelegenheit Eurem Sohn ein angemesseneres Auftreten zu ermöglichen.

Er nimmt die Hand mit einem schmatzenden Geräusch von der triefend Nassen Schulter des Mascarpone.

Bitte entschuldigt meine leichte Verspätung. er macht eine kurze Pause

Euer Sohn hatte für mich Priorität.

Sein Blick gleitet kurz herüber zum Capitano, um sich dessen Reaktion zu vergewissern, dann deutet er eine leichte verneigung vor dem Provveditore an.
Im Nebel der Ungewissheit muss wenigstens eins gewiss sein - der eigene Entschluss. - Helmuth von Moltke

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Valerio Mascarpone
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Re: Die Admiralität

Beitrag von Valerio Mascarpone »

Valerio wittert eine Brise Meeresluft, die soeben in sein Büro eingetreten ist. War es der Geruch von Tinos Kleidern? Oder doch das Auftreten des Semifreddo? Die Schreibtischplatte schien auf den Commandante zu reagieren. So als vibrierte sie nicht, weil er auf den Boden trat - sondern allein, weil er sich näherte, und wie eine Kompassnadel in seine Richtung ausschlug.

Commandante Semifreddo! Wie schön, wirklich schön!

Zuerst war der Mascarpone etwas verwundert gewesen. Dass der triefend nasse Sohn keinerlei Interesse daran zeigte, die Ursprünge seines Zustandes zu erklären, das sah ihm ähnlich. Das hätte seinen Stolz gebrochen. Aber der Vater war dann doch etwas neugierig zu erfahren, was hier wirklich vor sich ging.

Ich soll Euch von Eurer Cousine beste Grüße ausrichten.

Nicht irgendeine Cousine, die keine Rolle spielte. Valerios Gattin, Elena Giulia Semifreddo, teilte sich mit dem Commandante ein Großelternpaar - die damit Tinos Urgroßeltern waren. Das war nichts Besonderes. Die beiden Familien Mascarpone und Semifreddo, die als Nobili die Marine unter sich aufgeteilt hatten, kooperierten und halfen sich gegenseitig. Heiraten galten als Allianzversicherung. Man wollte schließlich keinen Ärger miteinander.

Sondern Posten untereinander aufteilen.


Ich bin etwas verwundert, Capitano.

spricht er dann ernst. Eigentlich war er Castelli eine Erklärung schuldig, was die ganze Sache mit Tino sollte - der Junge und die Wahrheit, so ein ganz unangenehmes Thema! - aber angesichts der Tatsache, dass es Semifreddo - immerhin Castellis Commandante - war, der mit einem nassen Tino auftrat, wirkte die Situation doch erklärungsbedürftig.

Könntet Ihr mir bitte sagen, was hier geschehen ist?
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Marcantonio Castelli
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Re: Die Admiralität

Beitrag von Marcantonio Castelli »

Semifreddo. Natürlich musste es Semifreddo sein.

Marcantonio schürzte kurz die Lippen, als der Commandante eintrat - und überging dabei Tinos vorlaute Bemerkung zu seinem anstehenden Antritt auf der Tarquinio Semifreddo gänzlich - und musterte Cesare eingehend.

Als Nobile und vor allem als Ahne des Tarquinio Semifreddo fühlte sich der Commandante natürlich bestens in der Admiralität. Wenn man ein Semifreddo war - oder ein Mascarpone - hatte man das tyrrhenische Meer in seinen Adern fließen, der Klang von donnernden Kanonen schwang jedes Mal mit, wenn man die Namen aussprach. Die Marine wäre nichts gewesen ohne jene zwei Aristokratengeschlechter Palatinas, und das wusste Marcantonio.

Noch seltsamer war die Beziehung, die die beiden hatten. Der Semifreddo ließ sich nie etwas zuschulden kommen, was ihn den Posten gekostet hätte. Doch trotzdem merkte Marcantonio, wie in jeder Geste, jedem Gespräch zwischen ihm und seinem Commandante jene Überheblichkeit mitschwang, die nur ein Nobiluomo haben konnte, der wusste, dass niemand ihm den Aufstieg in der Karriereleiter der Marine verweigern würde, bei der erstbesten Gelegenheit. Weil niemand hinterfragte, dass ein Semifreddo Kapitän sein wollte - sie waren es einfach. Verflucht, wahrscheinlich würde man ihn sogar noch zum Admiral machen, einfach deshalb, weil er ein Semifreddo war. Semifreddo Semifreddo Semifreddo.

Marcantonio versuchte, sich von den zermürbenden Gedanken nichts anmerken zu lassen, schnellte dann zurück zum Provveditore.


"Provveditore! Es scheint mir, dass dies mit einem Vorfall zu tun hat, kurz bevor ich in der Admiralität ankam. Am Pier am Bassin bemerkte ich, wie ein Dreispitz im Wasser trieb und veranlasste meine Männer dazu, eine unbekannte Person aus dem Wasser zu ziehen - wie es aussieht, war dies der junge Signore Mascarpone und mein Commandante scheint die Situation bestens - allerbestens - bewältigt zu haben."

Natürlich hatte sich Semifreddo darum gekümmert. Nicht, dass er dabei geholfen hätte, den Jungen aus dem Wasser zu ziehen - aber die Lorbeeren dafür zu ernten, das war typisch. Cesare war kein Emporkömmling oder Sykophant, aber seine Chancen nutzte er gnadenlos aus.
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Tino Mascarpone
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Re: Die Admiralität

Beitrag von Tino Mascarpone »

Tino hält sich bei der Schilderung des Vorfalls selbst zurück. Er hat keine Lust, die peinliche Situation zu vertiefen, wie er aus Überschwang einfach ins Bassin fiel. Eine Vertiefung der Umstände ist ihm daher alles andere als gelegen, doch offensichtlich kam er nicht daran vorbei. Das alte Leid, dass die meisten Seeleute nicht schwimmen konnten, war ein weit verbreitetes Phänomen in allen Marinestreitkräften Europas. Im alten Arsenale jedoch unterzugehen - reichlich blamabel, angesichts einer Wassertiefe von nur wenigen Ellen, die gerade dazu ausreichten, dass ein Schiff wie die Pierpaolo nicht auf Grund lief!

Der Blick des Jungen geht daher von der einen zur anderen Seite, ohne das sich seine aufrechte Haltung und seine unveränderte Miene etwas anmerken ließen. Er war Hauptthema dieser Diskussion, sollte aber offensichtlich keinen Redeanteil haben. Sonst hätte sein Vater ihn direkt gefragt, statt den befehlshabenden Kapitän.

Eine gewisse Nervosität kann er jedoch trotz aller Disziplin nicht verbergen. Irgendwie war das eigentliche Thema - seine Berufung zum Alfiere - komplett unter den Tisch gefallen. Und Castelli wirkte nicht so, als hielte er es für nötig, ihn eines Blickes zu würdigen oder seine eigene Anmerkung irgendwie quittieren zu wollen, dass er bald auf seinem Schiff diente. Tino mochte zwar noch keine Antipathie gegen ihn empfinden, aber ihn beschleicht das Gefühl, dass er vielleicht nicht so willkommen an Bord der Tarquinio Semifreddo sein könnte, wie es eigentlich eines künftigen Admirals der palatinischen Marine ziemte.

Semifreddo dagegen hatte ihn von Anfang an freundlicher behandelt. Vielleicht war es der entfernten familiären Verwandtschaft geschuldet. Er kannte Cesare bis dahin nur flüchtig, hatte ihn bei der einen oder anderen Taufe, Hochzeit oder Beerdigung gesehen, wo die Familien zusammenkamen; aber meistens hatte er natürlich bei solchen Anlässen die Nähe seines Familienzweiges gesucht oder diesen räprsentiert. Schlechten Eindruck hatte er jedoch nie auf ihn gemacht. Das ging auch gar nicht. Ein Semifreddo trug seinen Namen als Aushängeschild, der gemeine Palatiner wusste dann bereits, was zu erwarten war.

Anders kann er sich auch das Lob und den Respekt vonseiten Castellis in Richtung seines Kommandanten gar nicht erklären.
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Valerio Mascarpone
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Re: Die Admiralität

Beitrag von Valerio Mascarpone »

Natürlich hat er die Situation bestens geregelt. Schließlich ist er ein Semifreddo.

sagt Valerio wie selbstverständlich. Hätte er gewusst, dass Castelli ohne Notiz zu nehmen den angehenden Alfiere einfach nur aus dem Wasser gefischt hat, ohne die ihm gebührende Behandlung zukommen zu lassen, sähe die Sache natürlich ganz anders aus; aber der Mascarpone sieht sich beschwichtigt.

Es trifft sich gut, dass Ihr einander Bekanntschaft macht. Da ich Euch großes Vertrauen entgegenbringe, und die Tarquinio Semifreddo derzeit keinen Kadetten oder Alfiere aufweist, habe ich mich dazu entschieden, Euch meinen einzigen Sohn, Costantino, als Alfiere in Ausbildung anzubieten.

macht der Provveditore ziemlich deutlich, dass diese Entscheidung im Grunde auch ohne Castelli getroffen worden ist

Die Zahl der Marineschiffe ist begrenzt, daher ist dies unabdinglich. Ich bin zuversichtlich, dass er an Bord die praktischen Fähigkeiten erwirbt, die er theoretisch an der Akdamie bisher erlernt hat. Der Kadett Mascarpone hat eine gute Auffassungsgabe gezeigt. Nun fehlt ihm allerdings noch etwas frische Meeresluft, bevor er selbst Befehlsgewalt ausüben kann.

Dann sagt er kurz zum Kommandanten

Capitano Castelli hat seine Instruktionen zur Mission bereits erhalten. Er wird sie Euch zu gegebener Zeit mitteilen. Ich merke allerdings an, dass Ihr Euch beeilen solltet, wenn Ihr noch etwas an Land zu regeln habt - jede vergangene Stunde ist eine verlorene.
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Cesare Semifreddo
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Re: Die Admiralität

Beitrag von Cesare Semifreddo »

Jeder andere hätte sich vermutlich geschmeichelt gefühlt, angesichts der lobenden Worte des Capitano als auch des Provveditore. In Semifreddos Ohren sind diese Aussagen allesamt jedoch gerade zufriedenstellend. Mit unbeweglicher Miene verfolgt er das Gespräch, seine Züge erhellen sich nur kurz bei der Erwähnung der Cousine.

Vielen Dank, Provveditore! Sendet ihr doch bitte meine ebenso besten Grüße zurück. Ich werde wohl leider keine Gelegenheit haben, sie vor unserem Ablegen noch persönlich zu treffen.

denn in dieser Zeit hatte er durchaus noch etwas anderes im Sinn.
Er wendet sich dann eher zum Capitao.

Wann laufen wir aus?

Cesare wirkt ruhig, in Wirklichkeit jedoch kann er es kaum abwarten, wieder mit der Tarquinio Semifreddo in See zu stechen. Nicht nur, dass es ein erhebendes Gefühl war, mit gerade diesem Schiff durch die Wellen zu segeln, nein, jeder Tag auf See brachte ihm auch seinem großen Ziel einen Schritt näher. Zum Commandante war es bereits ein anstrengender Weg gewesen. Stets hatte er alles gegeben sich nur von seiner besten Seite zu zeigen, dem Familiennamen die Ehre zu erweisen. Niemand sollte ein schlechtes Wort über einen Semifreddo verlieren können. Obwohl ihm die Materie bereits im Blut lag, hatte er für jedes Patent - und es waren derer unzählige - Tage und Nächte lang gelernt, um schließlich als einer der besten abzuschließen. Nie hatte er sich um eine Aufgabe, einen Auftrag gedrückt, war stets zur Stelle, hatte den Überblick. Ja, die Seefahrt war sein Element, aber niemand konnte behaupten dass sein Erfolg ihm einfach zugefallen sei. Was ihn jetzt noch davon trennt diesem die Krone aufzusetzen, ist das Kapitänskommando über ein Schiff. - Und ein Mann aus dem Patriziat, der diesen Posten zur Zeit inne hatte.
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