Der Weg zur Festung

Auf der Spitze des Palatin liegt die Festung San Vittorio, um die sich mittlerweile ein kleines Dorf gebildet hat. Aus dem Zentralbau der Festung, dem Castello, ist in den Jahrhunderten der Sitz des Dogen entstanden, der diesen kleinen Stadtteil Palatinas direkt regiert.
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Die Signoria
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Der Weg zur Festung

Beitrag von Die Signoria »

Der Weg zur Festung

Eine gepflasterte Straße führt vom Tor an der Piazza Repubblica hinauf zur Festung von San Vittorio. Das Gelände, das ursprünglich frei von Bauten war, ist mittlerweile besiedelt wurden. Zwischen Wohnhäusern und kleinen Ställen erblickt man Brunnen zwischen einer einzelnen Pinie, eine Kapelle mit Marienbildnis, an dem frische Blumen hängen, steht in einer Kurve. Die verstreuten Häuser sind die Wohnstätten von allerlei Dienerschaft und Personal, das zum Hof des Dogen gehört, aber mittlerweile leben auch Leute hier, die gar nichts mit der Regierung zu tun haben. Da der Ort seine militärische Funktion schon vor langer Zeit eingebüßt hat, lässt man die Leute gewähren. So treiben Schäfer ihre Lämmer den Hang herab, baut ein Landwirt Früchtebäume an, zieht eine Wäscherin an einer Leine zwischen zwei Olivenbäumen auf. Ein paar hundert Seelen wohnen an diesem Hang, während die Dogengarde auf einer Wiese patrouilliert, Übungen macht – und Ausschau hält.
Wissen Sie, warum die europäische Gesellschaft stirbt? Sie stirbt, weil sie vergiftet worden ist. Sie stirbt, weil Gott sie geschaffen hatte um mit der katholischen Substanz ernährt zu werden und weil Kurpfuscher ihr die rationalistische Substanz als Nahrung verabreicht haben. Die einzelnen Menschen können sich noch retten, weil sie sich immer retten können. Aber die Gesellschaft ist verloren, nicht deshalb, weil ihre Rettung eine radikale Möglichkeit an sich darstellt, sondern weil die Gesellschaft meiner Überzeugung nach ganz offenbar nicht gerettet werden will. - Juan Donoso Cortés

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Marco Foscari
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Re: Der Weg zur Festung

Beitrag von Marco Foscari »

Eine Kutsche rattert von der Porta San Cassio Richtung Città Antica. Eines der Wagenräder klappert über einen Stein, der die ganze Kutsche erschüttert, findet dann wieder zurück auf das Pflaster. Während die Sonne sich über den kleinen, eingeschossigen Wohnhäusern senkt, sitzt im Inneren der Foscari. Das Couvert liegt geöffnet in seinen Händen, der Brief lugt heraus, seine Pupillen konzentrieren sich darauf.

Hasardeure!

bricht es aus ihm hervor. Das war eine abgefangene Nachricht an den österreichischen General Beaulieu. Eine Nachricht, die Foscari gar nicht gefallen wollte. Weil sie die alte, abendländische Zerstrittenheit betonte, im Angesicht der geballten jakobinischen Bedrohung.

Es waren Anweisungen aus Wien. Johann Peter Beaulieu sollte als Befehlshaber der österreichischen Truppen Distanz zu denen des sardinischen Heerführers Michelangelo Colli halten. Die Kaiserlichen befürchteten, dass Sardinien sich auf die Seite Frankreichs schlagen, und die österreichischen Soldaten gefangen nehmen konnte. Beaulieu stellte seine Truppen nördlich Liguriens auf, Colli wartete mit den Seinen im westlichen Piemont. Wie zwei Heere, die einen gemeinsamen Feind unabhängig voneinander schlagen wollten, statt die Kräfte zu massieren.

Statt gemeinsam den jakobinischen Drachen zu erlegen - spielte Wien mit Zinnsoldaten. Und die Regierung in Turin verließ sich auf den kaiserlichen Verbündeten! Falsche Zeit, falscher Ort. Wenn der Krieg sich schon vor seinem Beginn so gestaltete, wollte er dessen Ende nicht wissen. Ungute Erinnerungen an die Italienischen Kriege kommen beim Foscari auf. Es waren Kriege wie diese mit unzuverlässigen Verbündeten und doppelten Zügen, die schon vor dreihundert Jahren die Freiheit so vieler Staaten der Halbinsel gekostet hatte.

Er lässt das Blatt mit seinem kraftlosen Arm herabgleiten. Sein Blick geht einen Moment aus der Kutsche, wo eine Magd ihre Gänse über die Straße treibt, Dorfbewohner am Brunenrand miteinander schwatzten.


Selig sind jene, die nichts von den Geschäften der Politik wissen ...

Abendessen mit Salomè
In dem Moment, da sich der Staat von seinen kulturellen Fesseln löst – der Kirche, zivilen Institutionen, Sitten und Bräuchen – wendet sich nicht nur der Bauer gegen den Adligen, sondern auch der Arme gegen den Reichen; aus Gleichheit vor dem Recht pervertiert die Vorstellung sozialer Gleichheit. Zuletzt wendete sich gar der Idiot gegen das Genie, weil dieser das Verbrechen begangen hat, anders zu sein als er selbst. - Vittorio Barzoni

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