Panificio „Dolci del Doge“, Sitz der Albizzi
- Leonora Albizzi
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Re: Panificio „Dolci del Doge“, Sitz der Albizzi
Noch einen Fuß in der Luft hält Leonora wieder erschrocken inne.
Offenbar ist ihr Vater doch noch im Flur.
Aber was macht er da?
Leonora lauscht erneut, doch nichts ist zu hören.
Wie ein Chamäleon bewegt sie sich schließlich weiter die Treppe hinauf. In der einen Hand die Schuhe fest im Griff, die andere auf dem Geländer.
Offenbar ist ihr Vater doch noch im Flur.
Aber was macht er da?
Leonora lauscht erneut, doch nichts ist zu hören.
Wie ein Chamäleon bewegt sie sich schließlich weiter die Treppe hinauf. In der einen Hand die Schuhe fest im Griff, die andere auf dem Geländer.
- Lorenzo Albizzi
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Re: Panificio „Dolci del Doge“, Sitz der Albizzi
Langsam, ganz langsam wird dem Albizzi dann doch unwohl. Vielleicht hatte er sich mit dem falschen Kerl angelegt. Ihn einfach in diesen Fehler hineinzumanövrieren, sich auf der Treppe verstecken zu wollen - geschickt! Das wäre Lorenzo in seiner Zeit als Bäckermeister nie geschehen. Und dann dieser psychologische Trick, ihn das Licht löschen zu lassen.
Er wusste nicht wer, aber irgendjemand hatte es wohl definitiv auf seinen Grappa abgesehen. Das war die einzig logische Schlussformel. Aber wer? Giuseppe hatte ihm das Trinken verboten, der konnte kein Interesse am Caporotto haben. War es Salomè? Nein, die trank so gut wie keinen Alkohol, und niemals Caporotto. Und Leonora, seine kleine Passerina, sein Spätzlein, das wusste ja nicht einmal, wie Alkohol aussah, geschweige denn schmeckte.
Es blieb nur eine logische Schlussfolgerung.
Enrico. Natürlich Enrico! Wer sonst!
Gut hörbar ruft er nach oben, ballt dabei die Faust.
Such dir deinen eigenen Fusel, junger Mann!
Er wusste nicht wer, aber irgendjemand hatte es wohl definitiv auf seinen Grappa abgesehen. Das war die einzig logische Schlussformel. Aber wer? Giuseppe hatte ihm das Trinken verboten, der konnte kein Interesse am Caporotto haben. War es Salomè? Nein, die trank so gut wie keinen Alkohol, und niemals Caporotto. Und Leonora, seine kleine Passerina, sein Spätzlein, das wusste ja nicht einmal, wie Alkohol aussah, geschweige denn schmeckte.
Es blieb nur eine logische Schlussfolgerung.
Enrico. Natürlich Enrico! Wer sonst!
Gut hörbar ruft er nach oben, ballt dabei die Faust.
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Re: Panificio „Dolci del Doge“, Sitz der Albizzi
Als Enrico am Elternhaus ankommt, sind die Straßen bereits leer und die Fenster matt und dunkel. Kurz ist ihm, als hätte er eine Stimme aus dem Gebäude gehört. Er schaut neugierig durch die kleinen Glasfenster der Eingangstür. Kein Licht; Stille. Er hatte sich wohl getäuscht.
Gähnend greift Enrico nach der Türklinke. Er wird nur schnell die Münze holen und sich dann schleunig auf den Weg in die Kaserne machen. Immerhin ist morgen Dienst, und letzte Nacht war bereits kurz.
Der Verkaufsraum liegt lichtlos und verlassen da, nur ganz leicht riecht es noch nach gebackenem Teig, nach Zuckerguss und kandierten Früchten. Mühelos findet er den Weg um die Theke herum. Als Kind war er oft, obwohl es nicht erlaubt war, durch den Raum gelaufen, hatte sich hinter den Möbeln versteckt und in einem günstigen Moment irgendein Zuckergebäck stibizt, welches gerade nicht ausreichend bewacht war. Im wesentlichen steht die Einrichtung auch jetzt noch genau so wie damals.
Er sollte besser leise sein, wenn er die anderen nicht wecken will. Insbesondere Giuseppe kann empfindlich darauf reagieren, wenn man seine "ehrlich verdiente Nachtruhe" stört und auf eine entsprechende Konfrontation mit dem älteren Bruder kann er nun wirklich verzichten. Eigentlich will er nur noch möglichst schnell in sein Bett.
Langsam, um mit den harten Stiefelabsätzen nicht zu viel Lärm zu verursachen, schreitet Enrico zum Treppenabsatz.
Gähnend greift Enrico nach der Türklinke. Er wird nur schnell die Münze holen und sich dann schleunig auf den Weg in die Kaserne machen. Immerhin ist morgen Dienst, und letzte Nacht war bereits kurz.
Der Verkaufsraum liegt lichtlos und verlassen da, nur ganz leicht riecht es noch nach gebackenem Teig, nach Zuckerguss und kandierten Früchten. Mühelos findet er den Weg um die Theke herum. Als Kind war er oft, obwohl es nicht erlaubt war, durch den Raum gelaufen, hatte sich hinter den Möbeln versteckt und in einem günstigen Moment irgendein Zuckergebäck stibizt, welches gerade nicht ausreichend bewacht war. Im wesentlichen steht die Einrichtung auch jetzt noch genau so wie damals.
Er sollte besser leise sein, wenn er die anderen nicht wecken will. Insbesondere Giuseppe kann empfindlich darauf reagieren, wenn man seine "ehrlich verdiente Nachtruhe" stört und auf eine entsprechende Konfrontation mit dem älteren Bruder kann er nun wirklich verzichten. Eigentlich will er nur noch möglichst schnell in sein Bett.
Langsam, um mit den harten Stiefelabsätzen nicht zu viel Lärm zu verursachen, schreitet Enrico zum Treppenabsatz.
Suicidal, violent, tragic state of mind; lost my halo, now I'm my own Antichrist! I'm running out of Teardrops, let it hurt 'til it stops, I can't keep my grip, I'm slip pi ng a w ay f r o m m e. Oh God! Everything is SO FUCKED! but I can't feel a thing... - BMTH: Teardrops
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Re: Panificio „Dolci del Doge“, Sitz der Albizzi
Als ihr Vater plötzlich die Treppe hinauf ruft, zuckt Leonora zuerst zusammen. Sie ist sich sicher, nun hatte er sie erwischt! Oh weh... das würde ein Donnerwetter geben, vor allem da sie hier so herum schlich.
Leonoras Gedanken überschlagen sich. Vielleicht wäre es besser gewesen, ganz selbstverständlich nach Hause zu kommen, sich eine Kerze anzuzünden und im Falle einer Konfrontation überzeugend zu erklären, dass man noch an einem Projekt für die Akademie gearbeitet habe. Enrico hatte auch immer irgendwelche Ausreden gehabt. Meistens gab es dann Streit - gut, Enricos Ausreden waren auch oft vollkommen dämlich gewesen -, aber unterm Strich hatte er es doch immer geschafft sich zumindest so weit herauszureden, dass sich keine Konsequenzen ergaben. Zumindest mildere, als wenn er auf frischer Tat ertappt worden war, wie er zum Beispiel versucht hatte heimlich durch das Fenster der Backstube einzusteigen um die abgeschlossenen Außentüren zu umgehen. Aber dafür ist es nun zu spät.
Ein Schauer läuft ihr über den Rücken. Was sagt sie dem Vater jetzt am besten?
Erst dann wird ihr gewahr, dass sie offensichtlich überhaupt nicht gemeint ist. Wenn ihr Vater sie für Enrico hält, kann er sie eigentlich gar nicht gesehen haben.
Leonoras Wangen glühen erheitert. Sie presst sich die freie Hand vor den Mund um ein Kichern zu unterdrücken. Wozu so ein großer Bruder doch alles nützlich sein kann.
Gerade, als sie vorsichtig eine weitere Treppenstufe erklimmt, vernimmt sie von unten das Schloss einer Tür. Offenbar hat ihr Vater die Verfolgung nun doch aufgegeben. Wieder etwas schnelleren Schrittes eilt sie die verbleibenden Stufen zum zweiten Stock hinauf.
Leonoras Gedanken überschlagen sich. Vielleicht wäre es besser gewesen, ganz selbstverständlich nach Hause zu kommen, sich eine Kerze anzuzünden und im Falle einer Konfrontation überzeugend zu erklären, dass man noch an einem Projekt für die Akademie gearbeitet habe. Enrico hatte auch immer irgendwelche Ausreden gehabt. Meistens gab es dann Streit - gut, Enricos Ausreden waren auch oft vollkommen dämlich gewesen -, aber unterm Strich hatte er es doch immer geschafft sich zumindest so weit herauszureden, dass sich keine Konsequenzen ergaben. Zumindest mildere, als wenn er auf frischer Tat ertappt worden war, wie er zum Beispiel versucht hatte heimlich durch das Fenster der Backstube einzusteigen um die abgeschlossenen Außentüren zu umgehen. Aber dafür ist es nun zu spät.
Ein Schauer läuft ihr über den Rücken. Was sagt sie dem Vater jetzt am besten?
Erst dann wird ihr gewahr, dass sie offensichtlich überhaupt nicht gemeint ist. Wenn ihr Vater sie für Enrico hält, kann er sie eigentlich gar nicht gesehen haben.
Leonoras Wangen glühen erheitert. Sie presst sich die freie Hand vor den Mund um ein Kichern zu unterdrücken. Wozu so ein großer Bruder doch alles nützlich sein kann.
Gerade, als sie vorsichtig eine weitere Treppenstufe erklimmt, vernimmt sie von unten das Schloss einer Tür. Offenbar hat ihr Vater die Verfolgung nun doch aufgegeben. Wieder etwas schnelleren Schrittes eilt sie die verbleibenden Stufen zum zweiten Stock hinauf.
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Re: Panificio „Dolci del Doge“, Sitz der Albizzi
Was war in diesem Haus eigentlich los? Waren hier jetzt alle auf den Beinen? Oben Geräusche, unten Geräusche. Das musste ein Komplott sein. Ein Komplott, gegen ihn, den armen, mittellosen Vater, der sich doch nur Nachts unerlaubt am Schnapsschrank zu schaffen machte! Sant'Onorato, was hatte er ihm getan? Waren es etwa die Rosinenbrötchen, die er 1766 dem Pfarrer von Casazza untergejubelt hatte? Waren Rosinen wirklich solch eine schreckliche Sünde?
Womöglich ja.
Denn anders kann er es sich nicht erklären, dass nun jemand auf der untersten Stufe steht. Da Giuseppe bewiesenermaßen im Arbeitszimmer schläft, Salomè ihm eine Gute Nacht gewünscht hat, Enrico ihm oben den Weg abschneidet, und seine kleine liebe Passerina es ja sowieso nicht sein konnte, gab es nur eine Möglichkeit:
Ein Dieb musste in die Bäckerei eingebrochen sein!
Mir bleibt auch nichts erspart.
Der Alte nimmt seine ganze Männlichkeit zusammen, brummt von oben.
Keinen Schritt weiter. Ich habe einen Caporotto, und ich weiß, wie man ihn benutzt!
droht Lorenzo von den oberen Stufen in die Dunkelheit
Womöglich ja.
Denn anders kann er es sich nicht erklären, dass nun jemand auf der untersten Stufe steht. Da Giuseppe bewiesenermaßen im Arbeitszimmer schläft, Salomè ihm eine Gute Nacht gewünscht hat, Enrico ihm oben den Weg abschneidet, und seine kleine liebe Passerina es ja sowieso nicht sein konnte, gab es nur eine Möglichkeit:
Ein Dieb musste in die Bäckerei eingebrochen sein!
Mir bleibt auch nichts erspart.
Der Alte nimmt seine ganze Männlichkeit zusammen, brummt von oben.
Keinen Schritt weiter. Ich habe einen Caporotto, und ich weiß, wie man ihn benutzt!
droht Lorenzo von den oberen Stufen in die Dunkelheit
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Re: Panificio „Dolci del Doge“, Sitz der Albizzi
Enrico hält vor Schreck inne, als er aus der Dunkelheit heraus angesprochen wird. Er steht schon mitten auf der Treppe und ist so nur unwesentlich vom Ursprung der Stimme entfernt. Seine Hand greift schon zum Säbel, als er dem Besitzer der Stimme gewahr wird.
Vater?
fragt er ungläubig.
Enrico lässt vom Griff ab, blinzelt in die Dunkelheit.
Hatte der Alte einfach zu viel getrunken? Dass er weiß, wie man einen Caporotto verwendet, daran besteht kein Zweifel. Bereits seit dem Tod der Mutter hatte es immer wieder Tage gegeben, an denen davon mehr geflossen war als es gut sein konnte. Seit sein Vater in Pension ist, so hatte Giuseppe sich einmal bei ihm beklagt, soll es wohl noch etwas schlimmer geworden sein. Aber dass er Nachts verwirrt durch's Haus irrt... ?
Wieso steht Ihr hier im Dunkeln?
Vater?
fragt er ungläubig.
Enrico lässt vom Griff ab, blinzelt in die Dunkelheit.
Hatte der Alte einfach zu viel getrunken? Dass er weiß, wie man einen Caporotto verwendet, daran besteht kein Zweifel. Bereits seit dem Tod der Mutter hatte es immer wieder Tage gegeben, an denen davon mehr geflossen war als es gut sein konnte. Seit sein Vater in Pension ist, so hatte Giuseppe sich einmal bei ihm beklagt, soll es wohl noch etwas schlimmer geworden sein. Aber dass er Nachts verwirrt durch's Haus irrt... ?
Wieso steht Ihr hier im Dunkeln?
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Re: Panificio „Dolci del Doge“, Sitz der Albizzi
Leonora ist die Treppe hinauf, als sie von unten wieder Stimmen hört. Durch das dazwischen liegende Geschoss sind sie nicht besonders deutlich, doch sie könnte schwören, dass es sich um zwei Personen handelt.
Auf dem Absatz hält sie nocheinmal still, lauscht auf das Geländer gestützt die Treppe hinab, ob sich im Geschoss darunter etwas bewegt.
Auf dem Absatz hält sie nocheinmal still, lauscht auf das Geländer gestützt die Treppe hinab, ob sich im Geschoss darunter etwas bewegt.
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Re: Panificio „Dolci del Doge“, Sitz der Albizzi
Papperino!*
ruft der Alte wie baff aus. Auf der Treppe dreht er sich nach vorne, nach hinten
Aber moment mal, wenn du oben bist, wie kannst du dann unten ...?
Dann besinnt er sich. Die Frage war nachrangig. Vielleicht war Enrico oben auch aus dem Fenster geklettert, und zur Verwirrung jetzt durch das Erdgeschoss wieder nach oben, nur, um ihm seinen Caporotto zu stehlen. Dem Jungen war alles zuzutrauen. Der hatte schon als Dreikösehoch die dreistesten Tricks verwendet, um an Zuckerbrot und Keksdose zu kommen.
Plötzlich nimmt seine Stimme autoritären Ton an, so, als fände er zu einem alten Ich zurück.
Ich stehe in der Dunkelheit wann ich will und wo ich will, junger Mann. Kann ein rechtschaffener Pensionärsbäcker, der nie in seinem Leben den Teig nur mit etwas Flusssand gestreckt hat, nicht einmal darüber verfügen, wann und wie er in der Dunkelheit steht?
Enrico mag von Lorenzo nicht viel sehen, aber ziemlich genau erahnen, dass er gerade die Arme verschränkt. Dabei gluckert der Caporotto verräterisch.
Das ist kein Grappa.
fügt er dann ernst hinzu, so, als würde er beim Bild einer Pfeife darauf hinweisen, dass es sich nicht um eine Pfeife handele.
________________________
*Wie schon oben angedeutet, hat Lorenzo an seine Kinder Kosenamen verteilt. Leonora ist eine "Passerina", eine palatinische Form des hochitalienischen "Passerotto" (im palatinischen Dialekt ist der Spatz weiblich belegt), Salomè eine "Pulcinella" (Täubchen), Giuseppe hat den Titel "Gallo" (Hahn) und Enrico die wenig charmante Bezeichnung eines Erpels. Giuseppe soll einmal darauf hingewiesen haben, dass sein Bruder in Militäruniform wie eine Laufente wirkt.
ruft der Alte wie baff aus. Auf der Treppe dreht er sich nach vorne, nach hinten
Aber moment mal, wenn du oben bist, wie kannst du dann unten ...?
Dann besinnt er sich. Die Frage war nachrangig. Vielleicht war Enrico oben auch aus dem Fenster geklettert, und zur Verwirrung jetzt durch das Erdgeschoss wieder nach oben, nur, um ihm seinen Caporotto zu stehlen. Dem Jungen war alles zuzutrauen. Der hatte schon als Dreikösehoch die dreistesten Tricks verwendet, um an Zuckerbrot und Keksdose zu kommen.
Plötzlich nimmt seine Stimme autoritären Ton an, so, als fände er zu einem alten Ich zurück.
Ich stehe in der Dunkelheit wann ich will und wo ich will, junger Mann. Kann ein rechtschaffener Pensionärsbäcker, der nie in seinem Leben den Teig nur mit etwas Flusssand gestreckt hat, nicht einmal darüber verfügen, wann und wie er in der Dunkelheit steht?
Enrico mag von Lorenzo nicht viel sehen, aber ziemlich genau erahnen, dass er gerade die Arme verschränkt. Dabei gluckert der Caporotto verräterisch.
Das ist kein Grappa.
fügt er dann ernst hinzu, so, als würde er beim Bild einer Pfeife darauf hinweisen, dass es sich nicht um eine Pfeife handele.
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*Wie schon oben angedeutet, hat Lorenzo an seine Kinder Kosenamen verteilt. Leonora ist eine "Passerina", eine palatinische Form des hochitalienischen "Passerotto" (im palatinischen Dialekt ist der Spatz weiblich belegt), Salomè eine "Pulcinella" (Täubchen), Giuseppe hat den Titel "Gallo" (Hahn) und Enrico die wenig charmante Bezeichnung eines Erpels. Giuseppe soll einmal darauf hingewiesen haben, dass sein Bruder in Militäruniform wie eine Laufente wirkt.
Je erlaubter etwas ist, desto langweiliger wird es. - Edmund Burke
- Giuseppe Albizzi
- Zunftmeister der Bäcker

- Beiträge: 30
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Re: Panificio „Dolci del Doge“, Sitz der Albizzi
Die Unruhe im Haus ist mittlerweile soweit angestiegen, dass auch Giuseppe nicht mehr überhören kann, dass etwas vor sich geht. Er verschluckt sich im Schlaf, wacht auf, sitzt mit einem Ruck kerzengerade am Schreibtisch.
Die Lieferrechnungen! Ich muss drüber eingeschlafen sein. Der ganze Kram muss noch bis morgen früh erledigt werden ...
grummelt er über den Zeitverlust, hört dann Stimmen aus dem Erdgeschoss.
Was beim großen San Leone hat Vater jetzt wieder angestellt?
Giuseppe hatte da so ein Gefühl. Gefühl war zu wenig. Erfahrung, so konnte man es nennen.
Mit einem Stoß fährt der Stuhl nach hinten, er steht auf.
Die Lieferrechnungen! Ich muss drüber eingeschlafen sein. Der ganze Kram muss noch bis morgen früh erledigt werden ...
grummelt er über den Zeitverlust, hört dann Stimmen aus dem Erdgeschoss.
Was beim großen San Leone hat Vater jetzt wieder angestellt?
Giuseppe hatte da so ein Gefühl. Gefühl war zu wenig. Erfahrung, so konnte man es nennen.
Mit einem Stoß fährt der Stuhl nach hinten, er steht auf.
Wenn Untertanen Rebellen aus Grundsätzen sein wollen, so werden Herrscher aus Staatsklugheit Tyrannen sein. - Edmund Burke
- Enrico Albizzi
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Re: Panificio „Dolci del Doge“, Sitz der Albizzi
Wenn ich oben bin...?
Enrico wiederholt unter Anhebens einer Augenbraue irritiert die Worte des Vaters.
Natürlich ist er betrunken! Erschreckend, dass er so verwirrt ist und dabei noch nichteinmal nennenswert lallt. Vermutlich hatte Giuseppe recht und er trank seit der Pensionierung wirklich viel mehr als vorher. Und natürlich macht er ihm nun Vorhalte! Typisch!
Von diesem albernen Namen ganz zu schweigen. Schlimm genug, dass seine älteren Geschwister ihn häufig Chicco nannten, wohl wissentlich, dass er sich darüber ärgerte. Tatsächlich benutzen sie diese Kurzform immer dann mit ganz besonders großer Freude, wenn es darum ging ihn in irgendeienr Form als nicht ernstzunehemend zu diskreditieren und ihm seinen Status als "kleines Geschwisterkind" unter die Nase zu reiben. - So zumindest Enricos Wahrnehmung. Man sollte meinen, dass sich dies spätestens mit seiner Unabhängigkeit durch den Dienstantritt in der Armee und den weistegehenden Auszug von zu Hause geändert hätte, doch hatte zumindest der Vater nun Gefallen an einem neuen Spitznamen gefunden.
Enrico saugt scharf die Luft ein um sich zu beruhigen.
Ich habe auch nur gefragt, WARUM Ihr das tut, nicht gesagt, DASS Ihr es nicht tun sollt.
entgegnet er dann gereizt.
Enrico denkt darüber nach, ob er den Grappa ansprechen sollte. Er kann doch nicht einfach seinen Vater im Flur stehen lassen; verwirrt und betrunken auf der Treppe. Andererseits ist der Mann alt genug, und würde sich ganz bestimmt von ausgerechnet Enrico gar nichts sagen lassen.
Oben hört er etwas, was klingt wie das Poltern eines Stuhles. Ist doch noch jemand wach?
Enrico wiederholt unter Anhebens einer Augenbraue irritiert die Worte des Vaters.
Natürlich ist er betrunken! Erschreckend, dass er so verwirrt ist und dabei noch nichteinmal nennenswert lallt. Vermutlich hatte Giuseppe recht und er trank seit der Pensionierung wirklich viel mehr als vorher. Und natürlich macht er ihm nun Vorhalte! Typisch!
Von diesem albernen Namen ganz zu schweigen. Schlimm genug, dass seine älteren Geschwister ihn häufig Chicco nannten, wohl wissentlich, dass er sich darüber ärgerte. Tatsächlich benutzen sie diese Kurzform immer dann mit ganz besonders großer Freude, wenn es darum ging ihn in irgendeienr Form als nicht ernstzunehemend zu diskreditieren und ihm seinen Status als "kleines Geschwisterkind" unter die Nase zu reiben. - So zumindest Enricos Wahrnehmung. Man sollte meinen, dass sich dies spätestens mit seiner Unabhängigkeit durch den Dienstantritt in der Armee und den weistegehenden Auszug von zu Hause geändert hätte, doch hatte zumindest der Vater nun Gefallen an einem neuen Spitznamen gefunden.
Enrico saugt scharf die Luft ein um sich zu beruhigen.
Ich habe auch nur gefragt, WARUM Ihr das tut, nicht gesagt, DASS Ihr es nicht tun sollt.
entgegnet er dann gereizt.
Enrico denkt darüber nach, ob er den Grappa ansprechen sollte. Er kann doch nicht einfach seinen Vater im Flur stehen lassen; verwirrt und betrunken auf der Treppe. Andererseits ist der Mann alt genug, und würde sich ganz bestimmt von ausgerechnet Enrico gar nichts sagen lassen.
Oben hört er etwas, was klingt wie das Poltern eines Stuhles. Ist doch noch jemand wach?
Suicidal, violent, tragic state of mind; lost my halo, now I'm my own Antichrist! I'm running out of Teardrops, let it hurt 'til it stops, I can't keep my grip, I'm slip pi ng a w ay f r o m m e. Oh God! Everything is SO FUCKED! but I can't feel a thing... - BMTH: Teardrops
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